Ins und im Valbona-Tal

03.05.2018

Der Platz ist ideal zum Übernachten, es sind hier nur ziemlich wenige Autos unterwegs. Allerdings bekommt man selbst von diesen kaum etwas mit, denn das Rauschen des Wassers ist fast lauter. Wir starten und verlangen dem Auto gleich viel ab, es geht in Serpentinen hinauf nach Radomire. Direkt oben am nördlichen Ende der Kurvenstrecke bietet sich noch einmal ein Platz an, auf dem man hätte stehen können.

Danach ist es mal wieder vorbei mit Anhalten oder gar vom Wege abfahren, die Straße ist gut zu befahren, aber alles, was von ihr abzweigt sieht zumindest so aus, als brauchte man mindestens einen 4*4-Offroader. So versuchen wir nicht, den Golem Korab zu besteigen, dazu hätte man in Radomire anhalten müssen (nein, hatten wir nicht wirklich vor 😉) und rollen weiter gen Norden. Wir passieren einige kleine Orte, bevor wir in Kukes die A1, die wir im Westen verlassen hatten und die hier geradewegs in Richtung Prizren (Kosovo) führt, kreuzen. Im quirligen Ortszentrum versorgen wir uns mit Gemüse und Lebensmitteln, dann geht es auf bestens ausgebauter Straße nördlich am Fierza-Stausee entlang. Die gute Straße reicht vorbei an Krume bis zum nächsten Grenzübergang in den Kosovo, danach sind wir im nordöstlichsten Teil Albaniens unterwegs in Richtung albanische Alpen. Die gesamte Strecke, eigentlich bereits ab Peshkopie bis Bajram Curri ist gut befahrbar, an manchen Stellen sehr schmal, selten „kaputt“. Das wir heute dennoch mit extrem niedrigen Geschwindigkeiten unterwegs sind liegt einfach nur daran, dass die Landschaft immer wieder anders, aber überall schwer faszinierend ist. Berge, Felsen, grüne Hügel, flache Täler, tiefe Schluchten … alles ist da, nie ist das Fahren langweilig und immer wieder gibt es etwas zu sehen.

Zwischenbemerkung – Wohnmobil fahren in Albanien.
Grundsätzlich herrscht bis auf ganz wenige Ausnahmen (Durres – Tirana) wenig bis sehr wenig Verkehr. Das vereinfacht schon einmal sehr vieles – wenn eine Straße nur knapp 4 m breit ist macht das nicht viel, wenn man halbstunden-weise keinen Gegenverkehr hat. Die Albaner haben einen Fahrstil, der einfach zu verstehen ist: er basiert auf Logik! Wer Platz hat zum Ausweichen tut das, und sei es eben in den Randstreifen oder durch Löcher. Darauf verlässt sich der Gegenverkehr dann auch. Wird einem selber Platz gemacht, geschieht das oft erst in allerletzter Sekunde, und oft auch in ungebremstem Tempo – aber es wird fast 100% verlässlich Platz gemacht.
Womo-Fahrer sollten wissen, dass man oft in die Kategorie der überall in großer Stückzahl verkehrenden Minibusse eingeordnet wird. Und deren Fahrer nehmen wenig Rücksicht auf das eigene Fahrzeug – will heißen: manchmal wird es höllisch eng.
Immer in Betrieb: die Hupe. Mit ihr wird (fast immer) angezeigt, dass man jetzt überholt (das ist wichtig, weil selbiges oft in Situationen geschieht, in denen man selber eben nicht überholen würde). Ansonsten dient sie (die Hupe) natürlich zum Bedanken, zum Grüßen, zum Winken (?!?), naja, zu allem halt, was südliche Lebensfreude beim Autofahren beinhalten kann. Allerdings artet selbiges niemals in jenes aus italienischen Ortszentren bekannte nervige Dauerhupkonzert aus, sondern hat immer Sinn und Zweck!
Straßenzustand – schon mehrfach thematisiert. Er ist insgesamt deutlich besser als erwartet. Es gibt ganz miese Pisten (es geht halt nicht alles auf einmal), vor allem sind viele Straßen auch eng. Neu gemachte Straßen sind oft nur oberflächlich gut, der Unterbau ist oft dennoch mangelhaft. Das beherbergt meiner Meinung nach ein großes Gefahrenpotential: Randabbrüche, Verwerfungen, Löcher, ganze Stücken Schotterpiste tauchen auch auf „guten“ Straßen wie aus dem Nichts immer mal wieder auf.
Fazit: Augen auf, langsam und defensiv fahren und vor allem – sich niemals von einem schönen glatten Asphaltband „einlullen“ lassen. Das könnte schmerzhaft für den Rücken und erst recht fürs Auto werden. Und – immer schön hupen!! 😉

Das beste Beispiel für die Notwendigkeit jederzeitiger Aufmerksamkeit hatten wir heute, eine Schildkröte mitten auf der Straße! Zuerst wurde sie fotografiert und dann von Chris ins Grüne transportiert – nicht jeder gondelt hier so langsam entlang wie wir. Und sicher war sie schon ganz schön alt, das muss ja nicht bei der vielleicht ersten (?!) Straßenüberquerung ihres Lebens enden … 😉

Wir erreichen mit Bajram Curri sozusagen ein Eingangstor in die Welt der albanischen Alpen. Zu sehen gibt es nicht viel, man kann sich aber mit allem Notwendigen gut versorgen (Lebensmittel, Geld, Diesel). Vorteil – der Ort ist nicht so eng wie viele andere, man findet Plätze zum Abstellen ohne Problem.

Wir nehmen die letzten Meter der heutigen Tour in Angriff und fahren nach Valbona ins gleichnamige Tal am gleichnamigen Fluss. „Rilindja“ (zu Deutsch Wiedergeburt) heißt ein kleiner Hotel-Restaurant-Komplex, der auch einige Stellplätze anbietet. Nach 165 km am heutigen Tag sind wir „durch“, setzen uns noch ein wenig in die Nähe vom WiFi und verschwinden dann beizeiten im Womo und im Bett.

Hotel Rilindja
http://www.journeytovalbona.com/your-journey/where-to-stay/hotel-rilindja/
42°27’37.5″N 19°55’20.2″E

04.05.2018

Eine Wanderkarte des Tals hatten wir uns gestern noch gekauft, und so starten wir heute Morgen zeitig zu einer kleinen Tour, da am Nachmittag Regen angesagt ist. Abseits der Straßen wandern wir weiter ins Tal hinein, dann erreichen wir das sog. Zentrum des Ortes. Hier steht Dylan mal wieder am Zaun vom Schulgelände für ein paar Minuten im Mittelpunkt. Auf der Straße laufen wir noch ein ganzes Stück weiter – dann ziehen die Wolken an mehreren Stellen gleichzeitig über die Berge und wir treten den Rückweg an. Nach 12,7 km und 201 Höhenmeter (unterwegs waren wir zw. 800 und 1.000 m Höhe) sind wir zurück, und am Nachmittag setzt pünktlich laut Vorhersage der Regen ein.

Dass viele und weit über 2.000 m hohe Berge, einige davon noch mit weißen Spitzen, in einem relativ engen Tal eine beeindruckende Kulisse sind brauche ich kaum erwähnen.

(Wie immer zum Vergrößern anklicken.)

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