Herbstzeit – Wanderzeit

05. November 2018

Auf bekannten Wegen geht es von Cunnersdorf die Winterleitenstraße entlang bis kurz vor den Waldrand oberhalb von Rosenthal. Dort biegen wir rechts ab, überqueren den Rotstein und folgen danach dem Wurzelweg vorbei an Müller- und Spitzem Stein zurück nach Cunnersdorf.
13,9 km – 2:45 h – 196 Höhenmeter

11. Novemeber 2018

Eine unserer schönsten wanderungen ever im Elbsandsteingebigre! Wir fahren ins Kirnitzschtal zur Neumannmühle. Den Großen Zschand vorbei am Zeughaus folhe wir heute nicht nur bis zum Abzweig Hickelhöhle / Thorwalder Wände. Sondern weiter geht es (am Verhau vorbei) in Richtung Mezni Louka. Direkt an der Grenze biegen wir rechts ab und steigen den Raingrund hinauf. Immer weiter, jetzt auf dem Entenpfützenweg, entlang der weißen Grenzsteine geht es zu wundervollen Aussichten ins Tschechische. Wir rasten „gegenüber“ des Prebischkegels, besuchen die „Verbotene Aussicht“ und können uns ein paar Meter weiter gerade noch bremsen, um nicht auf dem Prebischtor zu landen. Weiter geht es oberhalb der Weber- und Richterschlüchte bis zum Katzenstein und von der den Roßsteig wieder zum Zeughaus hinab und zurück zur Neumannmühle.

Vom Zeughaus bis zum Katzenfelsen haben wir nicht einen Menschen getroffen, hatten die Natur, die Ruhe und den Frieden und die geniale Landschaft ganz für uns! Traumhaft!

Achtung: Vom Abzweig Hickelhöhle bis zum Katzenstein ist der Weg verboten.
14,5 km – 3:10 h – 400 Höhenmeter

Für diese Wanderung in der Form einmal mehr Dank an Ingo Geier, hier seine Wegbeschreibung:
https://www.wandern-saechsische-schweiz.de/wordpress/wanderungen/entenpfuetzenweg/

Wir haben von Rolf Böhm diese Karten verwendet:
Großer Zschand, Kleiner Zschand (beide 1:10.000) und für den Überblick die Große Wanderkarte der Sächsischen Schweiz (1:30.000)

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Frost, Sonnenschein und Schnee – die Heimfahrt

Und dann der erste Frost

26.10.2018 – 542 km – Ocnele Mari (RO)

Gestern waren es noch Sommerende und der Herbst, heute Morgen in Nesebar zeigte das Thermometer 0°C (und das Armaturenbrett trotz Sonnenschein das blöde „Gefahr von Glatteisbildung“). Wir traten also die Flucht an, entlang der bulgarischen Schwarzmeerküste. Sonnenstrand, Varna und wie die Orte alle heißen, von „hinten“, also der meerabgewandten Straßenseite, sind sie alle gleich uniform und – ja, hässlich. Dazu ist auch die Straße selbst höchst schlecht befahrbar. In Varna, der größten Hafenstadt am Schwarzen Meer, wird das nicht besser, so sind wir froh, endlich die Autobahn Richtung Landesinneres zu erreichen.

Der Grenzübertritt von Bulgarien nach Rumänien ist easy, dauert nur gefühlt ewig, real mit Wartezeiten ca. knapp eine Stunde. Bis Bucaresti rollt es gut, der Stadtring dort (nein, keine Stadtautobahn) ist eine Katastrophe, es staut, holpert, schleicht so vor sich hin. Nach 100 km bis Pitesti auf der A1 geht es weiter über Landstraßen, hier brauchen wir für die nächsten 45 km ungefähr 2 h, Baustellen, Stau wegen hohem Verkehrsaufkommen, dazu wohl noch die Stadtflucht aus der Hauptstadt am Freitagnachmittag. Unser geplantes Ziel Sibiu erreichen wir nicht mehr. Am Südrand der Karpaten, direkt am Beginn der Pass-Straße „Roter Turm“ finden wir dafür am hintersten Ende von Ocnele Mari einen ruhigen Platz am (geschlossenen) Freibad.

 

Szeged

27.10.2018 – 503 km – Szeged

Heute ging es gefühlt sehr viel schneller vorwärts. Da uns ein Tag „Sonne am Meer“ vom Wetter geklaut wurde versuchen wir es mit einem Tag „Sonne in der Stadt“. Szeged in Südungarn scheint wie geschaffen dafür, ist die Stadt ist die sonnenreichste Ungarns, hier scheint selbige über 2.000 Stunden im Jahr. Außerdem war in den letzten Jahren auf vielen Reisen die Region Südungarn und der Teil Rumäniens um Arad immer der wärmste. Also bringen wir die Karpaten und die fast fertige Autobahn von Sibiu bis zur Grenze hinter uns und verlieren keine Worte über die noch fehlenden Autobahnstücken bzw. die Landstraßen, die man dort nutzen muss.

In Szeged erwartet uns am zentrumsnahen Camping ein Muskelmännchen im Security-T-Shirt, schwenkt die muskelbepackten Arme und verkündet „Nix Camping“. Wir parken außerhalb des Platzes (direkt hinter einem Hotel und einem Thermal- und Spaßbad) am Rande einer völlig ruhigen Nicht-Durchgangsstraße und beschließen, dort auch gleich stehen zu bleiben. Am frühen Abend schlendern wir über die Theiß-Brücke in die Stadt. Wir schauen uns den Dom an, dieser wurde erst 1930 fertig gestellt und ist in einem sehr guten Zustand. Der Domplatz ist rundherum mit roten Backsteinhäusern bebaut, damit erinnert er fast ein wenig an die Hansestädte. Diese Häuser sind nationale Gedenkhalle und beherbergen in ihren Wandelgängen Büsten vieler bedeutender Persönlichkeiten.

Wir schauen uns noch den ebenfalls sehr schönen Rathausplatz mit seinen vielen Grünflächen und schlendern zum anliegenden Klauzál tér mit vielen Cafés. Hungrig sind wir nun geworden, finden aber die eine Gasse mit den wohl angesagten Restaurants nicht. Googe Maps führt uns in die Irre bzw. in weit außerhalb liegende Bereiche der Stadt, als wir das angegebene Restaurant dann endlich finden gefällt uns dieses gar nicht. Zurück im Zentrum laufen wir dann doch noch in die richtige Gasse und speisen vorzüglich im „John Bull Pub“, entgegen der Vermutung nach dem Namen aber nicht britisch, sondern ungarisch, mit einer super leckeren Gulasch-Suppe als Vorspeise.

Gesättigt geht es die wenigen Meter zum Wohnmobil, wir verbringen eine ruhige und lange Nacht – nach der Umstellung an der Grenze um eine Stunde stellen wir am Morgen die Uhren eine zweite Stunde um.

Kaffeehaus und ein wenig Irrfahrt

28.10.2018 – 511 km – Pouzdrany

Am Klauzál tér hatten wir ein schönes altes Kaffeehaus gesehen, dorthin zog es uns am Sonntagvormittag. Zwei super-leckere Süßstücken und zwei aromatische Heißgetränke später machten wir uns gegen 12 Uhr wieder auf die Piste.

Übrigens hielt Szeged in allen Belangen, was es versprach – zum einen ist es eine schöne Stadt, zum anderen hatten wir sehr schönes Spätsommerwetter. Zum Essen saßen wir am Abend draußen, und zwar im T-Shirt; auch am Vormittag auf dem Weg zum Kaffeehaus gab es noch einmal Sonne und 24°C.

Bis Győr lief die Fahrt planmäßig, danach irrlichterten wir ein wenig durch die Weltgeschichte. Vor der Stadt bogen wir ab Richtung Slowakei, fuhren durch neblige Donauauen und fanden einen super gesicherten Womo-Stellplatz (Zaun, Mauer, Kamera), allerdings war er auch vor Nutzern durch ein verschlossenes Tor „gesichert“. Weiter also über bzw. durch Bratislava Richtung Hainburg in Österreich, dort standen wir bereits einmal – heute gibt es ein großes „Camping für Wohnmobile verboten“ – Schild. Mittlerweile war es dunkel, wir hatten Regen und die Temperaturen waren nun wieder bei herbstlichen 7°C – der nächste vernünftige Stellplatz aber noch 120 km weiter. Also raus aus Österreich, durch die Slowakei und rein nach Tschechien. Der Platz war zumindest für eine Übernachtung „tauglich“…

Das Ende mit Schnee

29.10.2018 – 404 km – Nach Hause

Der Stellplatz in Tschechien sah am Morgen (wie so oft) angenehmer aus als im Dunkeln bei der Ankunft. Trotzdem ging es zeitig los und über die Autobahn schnurstracks nach Hause. Auf 600 m Höhe am Grenzübergang von Tschechien nach Deutschland lag rechts und links der Autobahn etwas Weißes, wir vermuteten bei einer Temperatur von 1°C, dass es sich um Schnee handeln könnte …

Nach 8.770 km und genau 30 Tagen wurde der Urlaub wie immer zu Hause mit einem gemütlichen Saunaabend beendet.

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Von Zentralanatolien nach Bulgarien

Unterirdisches und Kilometerfressen

20.10.2018 – 487 km – Egirdir

Der Versuch, noch einmal die Heißluftballons zu beobachten, scheiterte; nicht am zu langen Schlafen, sondern am Wetter. Bereits am Abend gab es ein Gewitter, und auch am Morgen war es noch bedeckt und regnerisch. So verließen wir Göreme und hatten in Kappodokien noch ein Ziel auf dem Plan, die unterirdische Stadt in Derinkuyu.

Im gesamten Gebiet gibt es etliche solcher Systeme an unterirdischen Räumen und Gängen, nur ein Teil davon ist bisher entdeckt und auch dieser wieder nur teilweise freigelegt. Wofür die Städte unter der Oberfläche ursprünglich dienten ist unklar, angelegt wurden die ersten Teile davon vor ca. 4.000 Jahren. Zu Zeiten der Christenverfolgung wurden sie ausgebaut und teilweise immer tiefer in die Erde verlegt.
(von Däniken behauptet, die Städte wären Schutz vor Außerirdischen gewesen – nun gut, jeder glaubt, was er möchte.)

In Derinkuyu hat die Stadt heute 8 oder 9 Etagen, die man teilweise erkunden kann. Platzangst ist fehl am Platze, die Gänge sind oft sehr niedrig und schmal, und viele Etagen sind nur über eine einzige, meist sehr schmale Treppe erreichbar, so dass sich Touristengruppen nicht ausweichen können. Man bekommt in solchen Momenten ein gutes Gefühl, wie es früher zugegangen sein mag, wenn tausende Menschen diese Städte bevölkerten.

Wir stiegen bis ganz hinab, das Ganze hat ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, so dass auch ganz unten keine dicke Luft herrscht. Immer wieder können die Gänge mit Rolltoren von innen verschlossen werden und sind somit von außen uneinnehmbar – die Rolltore sehen aus wie Mühlsteine und waren sicher recht schwer beweglich.

Nach der Besichtigung ging es nun endgültig wieder Richtung Westen. In Konya, einer der sittenstrengsten Städte Anatoliens merkten wir aber beim Einkauf, wo wir (noch) sind – weder war Alkohol zu bekommen noch andere westliche Genussnahrungsmittel. Nach etlichen Fahrstunden landeten wir am Egirdirsee im gleichnamigen Ort auf dem Campingplatz (30 TL).
37°52’47.1″N 30°49’18.1″E

In Konya fiel uns heute wieder ganz besonders auf, was wir schon in vielen Orten beobachten konnten, hier in dieser Stadt aber in besonderem Ausmaß: Man scheint zu wissen, was ein Begriff wie Stadtentwicklung bedeutet. Neugebaute Straßen sind immer breit genug (oder überbreit), wichtiger noch: das Grün rechts, links und in der Mitte wird sofort mit angelegt und später auch gepflegt, und zwar überall. Ähnlich bei Wohngebieten, die rund um Konya wie die Pilze aus der Erde schießen: Parks sind oftmals da, bevor die Häuser hochgezogen oder fertig sind. Und das nicht nur in irgendwelchen teuren Wohngegenden, auch zwischen 8 oder 12 geschossigen Wohnhäusern, die es mitunter in doch größerer Anzahl gibt. Lebensqualität kostet zwar sicher in dieser Form nicht wenig, ist aber ganz sicher auch ein positiver „Standortfaktor“.

Noch ein Canyon und kleiner Wandertag

21.10.2018 – 58 km – Yazili-Kanyon

Egirdir wird im Reiseführer als „schönstes Städtchen im Seengebiet“ beschrieben, was ein wenig an den Spruch mit dem König der Blinden erinnert, zumindest uns. Den Hinweis „ideal als Zwischenstopp“ können wir bestätigen, einen Charme als „Ort am See“, gar für längeren Aufenthalt, konnten wir auch am heutigen Morgen nicht ausmachen. Weit ging es heute nicht, wenn auch die 58 km ca. 1,5 Stunden dauerten, sondern hinein in die Bergwelt des Taurus, erst durch große Apfelplantagen und vorbei an apfelverarbeitenden Fabriken, und dann bergauf und wieder bergab. Rechts und links „richtige“ Felsen, kleine Straßen entlang und durch viele Serpentinen. Die Ausschilderungen führten uns dann zum Eingang des Yazili-Canyons, wir löhnten 45 TL fürs Parken (mal wieder der Dolmus-Tarif) und parkten oberhalb des Picknick- und Restaurantareals. Zum Sonntag war das Ganze gut besucht, inkl. einiger Reisebusse. Um in die Schlucht zu gelangen muss man in der Picknickzone über zwei Holzbrücken, danach führt ein zunächst bestens ausgebauter Weg immer am Rande des Wasserlaufs entlang. Alte Felsinschriften gibt es zu sehen, ansonsten viel Felsen, Wasserlauf und ein paar kleine Wasserfälle. Irgendwann endet der Weg auf einer Wiese, dahinter geht es noch einige hundert Meter auf einem Pfad weiter. Hier fanden wir auch einen Abstieg direkt ans Wasser, kleine Flusskrebse kreuzten unseren Weg und unten hatte Dylan mal wieder viel Spaß am Flussrand, der dann doch zum ganz hineinlaufen zu steil war.

Den Rest des Tages verbrachten wir wie es sich für einen Sonntag gehört gepflegt mit Nichtstun. Dazu kam natürlich das Beobachten der türkischen (Sonn-)Tag(e)s-Ausflügler. Andere Nationen kamen außer uns selber hier und heute nicht vor, und die Einheimischen rückten oft in größeren Gruppen an und hatten Grillgerät, Teeöfchen und Unmengen an Essbarem dabei. Und manchmal wurde nebenbei auch noch der eine oder andere Eimer Oliven geerntet …

Auch diesmal die Anmerkung, dass wir unterwegs den Reiseführer „Türkei“ aus dem Michael Müller Verlag genutzt haben. Zwar ist oftmals zu merken, dass die verwendete Auflage von 2015 stammt, das wirkt sich aber nur bei Preisangaben oder ähnlichem aus. Ansonsten können wir den Verlagswerbespruch „So viel Handgepäck muss sein“ nur bestätigen. (Und der obligatorische Hinweis: Wir bekommen *keine* Provision vom Verlag 😉).
Zur Vorbereitung der Reise (inklusive des „Inspirieren-lassen“) haben wir natürlich umfänglich das Internet und diverse Blogs genutzt. Gerne verweisen wir hier auf www.whatabus.de.

Aus der Einsamkeit Zentralanatoliens mitten hinein ins touristische Leben

22.10.2018 – 248 km – Pamukkale

Nachsatz zum Yazili-Canyon: Die Zufahrt direkt von Egirdir führt teilweise über sehr schlechte Straßen. Es gibt allerdings auch von der Straße von Isparta nach Antalya eine Zufahrtsmöglichkeit, diese hat den Nachteil, dass die Straßen größtenteils noch schlechter sind, man spart also keine Zeit – viel ist hier von LKW zerfahren, die große Brocken aus Steinbrüchen abfahren, letztere mit chinesischen und kyrillischen Schriftzeichen an den Werktoren.

Wir hatten die Strecke über Isparta genommen ☹ und vor dort aus Kurs auf unser letzten Ziel – Pamukkale. Dort angekommen besichtigten wir die eindrucksvollen Sinterterrassen. Auch eindrucksvoll ist im Ort und rundherum leider der Massentourismus in seiner, ich würde sagen, hässlichsten Ausprägung. Das beginnt mit den völlig verkitschten Hotelbauten am Ortseingang und endet mit dem Gänsemarsch von aber tausenden Tagestouristen einmal quer durch die Terrassen nicht. Völlig unangenehm empfanden wir die „Schlepper“, an der ersten Kreuzung wurde nur gewinkt, aber bei einem kurzen Orientierungsstopp und dem Versuch zu wenden wurde das Wohnmobil per querstehendem PKW gestoppt, und trotz hochgefahrener Scheiben und deutlichstem Desinteresse sollte uns der „beste aller Stellplätze“ verkauft werden … Egal, wir ignorierten das standhaft, „durften“ irgendwann weiterfahren und hielten ca. 7 km außerhalb (auf der Straße von Pamukkale Köy zum Südeingang der Terrassen unverfehlbar ausgeschildert) auf dem Tepe Camping. Die sieben Kilometer geht es gefühlt dauerhaft mit 10% Steigung hinauf, oben hat man einen sehr schönen Blick auf die „Rückseite“ der Sinterterrassen und auf die gesamte Ebene. Gleich nebenan starten Paraglider.
(Wir haben in der Nebensaison 60 TL bezahlt, 30 pro Person. Als wir ankamen waren wir die einzigen Gäste, später gesellte sich noch ein Womo dazu. Es gibt zwei Terrassen, auf der unteren steht man am Pool, die obere ist schöner, wenn man der einzige / erste ist und ganz bis vorn durchfahren kann.)

Der erste Fahrtag Richtung Urlaubsende

23.10.2018 – 509 km  – Daylan

Heute hieß es das erste Mal Kilometerfressen in Richtung Heimat. Unterwegs deckten wir uns noch mit ausreichend Lebensmitteln ein, da wir noch ein oder zwei Tage irgendwo am Strand einlegen wollten. Wir versuchten es zunächst, schon wieder im nördlichen Bereich der Ägäis-Küste, in Kücukkuyu. An der nach Assos führenden Straße vermeldete der Reiseführer etliche Campingplätze, und etliche Campingplätze dort hatten bereits zu. In Daylan hatten wir einen Hafen gefunden und Berichte, dass man dort stehen könne – die Anfahrt war mal wieder über schlechte Straßen, dazu war es schon dunkel geworden. (Die Aussage, man solle Fahrten in der Dunkelheit eigentlich in allen südlichen und südöstlichen Ländern besser lassen kann ich mal wieder bestätigen.)

Dennoch kamen wir gut an, verbrachten die Nacht dort und am Morgen erwies sich der Platz auch als „eigentlich ganz nett“.

Rundfahrt zu Ende

24.10.2018 – 44 km – Yeniköy (Papaz Plaji)

Hatten wir gestern Abend in Edremit schon wieder die Route erreicht, die wir auf der Hinfahrt gen Süden genommen hatten gab es nun auch die erste „Stellplatzdopplung“. Den Hafen in Daylan verließen wir, da wir noch ver- und entsorgen mussten, nachdem das erledigt war ging es weiter zum Papaz Plaji, auf dem wir bereits eine Nacht gestanden hatten. Hier wollten wir zwei Nächte verbringen und dann am Freitag zeitig morgens die wirkliche Heimreise zu beginnen.

Das Wetter zeigte sich noch einmal gnädig, Sonne und blauer Himmel; und nach 12°C am zeitigen Morgen waren wir mittags noch jenseits der 20-Grad-Grenze. Für Ende Oktober doch noch ganz schön angenehm. Zum schönen Wetter kam Meeresrauschen, feiner Sandstrand und viel Ruhe.

Nun ist der Sommer endgültig zu Ende

25.10.2018 – 470 km – Nesbar (BG)

Am Papaz Plaji wollten wir eigentlich zwei Tage und Nächte bleiben, aber zuerst gab es in der Nacht ein heftiges Gewitter, und am Morgen war es einfach nur kalt (7°C mit sich eisig anfühlendem Wind). Und wenn nicht wenigstens 3-4 Stunden in der Sonne sitzen mit Blick aufs Meer herausspringen können wir auch losfahren. Der Tag gab dann auch trotz Sonnenschein nicht mehr als 12, auch mal 13 °C her; nach den 20 Grad auf 1.000 m Höhe in den letzten Tagen kündigt sich der Herbst nicht mehr nur an – er ist da.

Richtung Canakkale zur Fähre ging es los, damit war Schluss mit Asien. Hundert Kilometer weiter verabschiedeten wir uns auch vom Mittelmeer, und in Dereköy auch von der Türkei. Über Malko Tarnowo ging es zur bulgarischen Schwarzmeerküste, die wir bei Burgas erreichten. In Nesebar fuhren wir bis zum Damm zur Altstadt (selbige ist eine Insel), darüber und danach gleich links auf die großen Parkplätze. Nach der Ankunft besichtigten wir die Altstadt, vielleicht 4 oder 6 Wochen zu spät. Zwar ist sie mit ihren vielen Kirchen und den Häusern mit überhängenden Obergeschossen aus Holz nett anzuschauen, jedes Leben war aber wohl mit den Sommer-Urlaubern vom benachbarten Sonnenstrand vor Wochen schon aus ihr gewichen.

Die Einreise in die EU und gleichsam die Ausreise aus der Türkei gestalteten sich ausgesprochen problemlos, der Übergang an der E87 ist auch ausschließlich für PKW und nicht für Busse und LKW. Witzig fanden wir, dass wir uns zur Desinfektion nicht nur das Auto von allen Seiten nass machen lassen mussten, sondern dass das Prozedere auch noch 3 Euro kostete. Ansonsten war der Hund mal wieder Garant dafür, dass die Zöllner, die Blicke ins Auto werfen wollten gut von ihrem eigentlichen Job abgelenkt waren, der türkische freute sich über den Hund und der bulgarische hatte ein wenig Angst 😉.

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Wandertag

19.10.2018 – 0 km – Göreme
(ca. 10 km zu Fuß)

Kurz vor 6 Uhr war heute „Wecken“. Bei Sonnenaufgang bekommen hier pro Tag bis zu 150 Heißluftballons eine Startgenehmigung – das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zum Glück war es windstill, so konnten wir rund 100 Luftgefährte abheben sehen, während die Sonne hinter den Bergen hervorkam. Einige strebten gleich gen Himmel, andere fuhren durch die Täler, die den Ort umgeben. Letzteres sah vom Zeltplatzplateau schon recht beeindruckend aus, teilweise verschwanden die Ballons fast komplett in den Schluchten.

Wir machten uns dann nach dem Frühstück auf, einige der Täler mit den unterschiedlichsten Tuffsteinformationen zu erwandern. Zunächst stiegen wir, hier noch mit einigen Bustouristen, ins Liebes-Tal hinein. Woher der Name kommt sieht man ganz gut auf der Bildersuche von Google 😉. Nach den ersten 500 m hatten wir dann die ob der Felsformation kichernden Japaner (bzw. kicherten hier meist die Japanerinnen) hinter uns, diese mussten ja zurück zum Bus und weiter zum nächsten Event oder was auch immer.

Wir wanderten immer weiter ins Tal, das später dann Weißes Tal heißt und noch später Honig Tal, beides von der Farbe der Felswände abgeleitet. Bis zum Aufstieg nach Uchisar trafen wir keinen Menschen mehr, rasteten im Tal und genossen das schöne Wetter und die immer wieder neuen Ausblicke. Strategisch sehr gut platziert gab es direkt am Ende des Aufstieges einen Stand mit frisch gepresstem Granatapfelsaft (gepresst wurde er schon, bevor wir ihn bestellt hatten, wahrscheinlich kommt hier keiner vorbei, der keinen nimmt). In Uchisar beobachten wir, wie perfekt eine Busladung Menschen in einer Depothalle, nein, in einem „Art Center“ zum Kauf von Quarz- und Onyx-Schmuck abgeladen wurde.

Wir schwitzen und liefen weiter, es wartete noch das Taubental auf uns. Dieses bildet neben der Straße die Hauptverbindung zwischen Uchisar und Göreme, ist kürzer, touristengeeigneter und somit auch deutlich mehr begangen. Es lohnt also doch, so wie wir es vorher getan hatten, ein wenig weiter zu laufen …. Dennoch machten wir im Tal Halt an einem der kleinen Rastpunkt, tranken einen Tee und stellten fest, wie gut diese kleinen Ruhepausen tun. Der Platz war auch nett angelegt, der Besitzer züchtete nebenan Tauben (ob die dem Namen des Tals Pate standen  oder in einem Tal dieses Namens einfach dazu gehören konnten wir nicht erkunden), und für Dylan wurde extra noch eine Hundeschale mit Wasser aus einer leeren 5-Liter-Wasserflasche gebastelt.

Den Ort Göreme erreichten wir dann kurz danach und wollten einkaufen, allerdings ist dort soviel Tourismus, dass für einen Lebensmittelladen oder gar einen Obststand im ganzen Stadtzentrum kein Plätzchen mehr war … (Dafür gab es ca. 25 Quad-Vermieter, 23 Reit-Tour-Anbieter, 32 Hotels, 18 Reiseagenturen, 25 Souvenirshops, … (natürlich sind alle Zahlen nur geschätzt)). Wir liefen zurück zum Camping, mussten trotz fehlendem Einkauf nicht verhungern und verbrachten den Rest des Nachmittags mit sehr leckerem selbergemachtem Eistee.

Beim bezahlen erfuhren wir dann, was es bedeutet, 2 Nächte in einer so touristischen Gegend zu verbringen 😉. Mit 125 TL (ca. 19 Euro pro Nacht) war das der mit weitem Abstand teuerste Übernachtungspreis in der ganzen Türkei für uns, hatten wir doch bisher meist zwischen 40 und 60 TL bezahlt. Natürlich haben wir es dennoch nicht bereut, ist doch Ahmed auch ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Gastgeber!

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Steine und Höhlen

18.10.2018 – 195 km – Göreme

Heute haben wir zum einen fast 5.000 km hinter uns (genau 4.996 km), außerdem sind wir so ziemlich am östlichsten Punkt dieser Reise angelangt.

In Sultanhani kaufen wir uns noch leckere Süßstücken fürs Frühstück, verabschieden uns natürlich vom Teppich-Händler-Onkel und von Tahir und fahren dann weiter Richtung Osten. Die Landschaft bleibt zunächst Steppe, nichts als Steppe. Ab und an wird Landwirtschaft betrieben, teilweise großflächig. Kartoffeln, Kürbisse und andere Dinge werden angebaut und geerntet – von der Menge der Handarbeit in der Landwirtschaft zeugen die vielen Camps der Wanderarbeiter rechts und links des Weges. Unser Ziel ist aber Kappodokien!

Hinter Aksaray verlassen wir die größeren Straßen und fahren nach Selime. Dort wollen wir die Klosteranlage (Hier zum Wiki-Artikel, her zu den Bildern bei Google) anschauen. Wir halten am ersten Schild und klettern von dort in die diversen zu sehenden Höhlen und Löcher im Felsen. Beim Weiterfahren merken wir, dass wir sozusagen die Rückseite besichtigt haben, von vorn hätte es einen offiziellen Parkplatz und Souvenirshops gegeben 😉!

Kappodokien (Bilder bei Google – nein, die Ballons sind nicht immer da ;-)) im Herzen Anatoliens ist ein Weltwunder – eine Tuffsteinlandschaft mit Höhlenkirchen, unteririschen Städten und bizarren Felsen. Selime zunächst ist ein Höhlenkloster, sehr faszinierend – im Inneren der Höhlen gibt es Wandschränke, mit Außenbelüftung, Kühlbehälter, Becken, Räume und Treppen sind an manchen Stelle fast komplett erhalten. Muss man sich einfach ansehen.

Weiter ging es zum Ihlara-Tal, der nördlichste Punkt ist Belisirma. Hier fahren wir nur halb zum Dorf hinab und schauen von oben in das Tal. Beeindruckend schon hier, wie die in den Stein gegrabenen Höhlen in späteren Zeiten weiterverwendet wurden, man baute Häuser davor oder daneben, nutze sie einfach weiter als Viehstall oder Kühlbereich.

Im Ort Ihlara ist der eigentliche Hauptzugang zum Tal. Über 382 Stufen (nein, wir haben nicht gezählt, nur Reiseführer gelesen) geht es hinab. Unten fließt – logischerweise, möchte man meinen – ein Fluss, an dessen beiden Seiten kann man nun nach Norden wandern. Die Besonderheit des tiefen Einschnittes in die Steppenlandschaft ist seine Form, oben harte Abbruchkanten, dann diverse Steilwände. Aber ganz besonders sind die ca. 150 Felsenkirchen und Kapellen, die sich auf die ca. 15 km lange Schlucht verteilen. Wir begnügten uns mit den interessantesten, die da die „Kirche unter dem Baum“, die „Hyazinthenkirche“ und ganz besonders die „Schlangenkirche“ sind. Hier im Tal sind nicht nur die Räume erhalten, sondern oft auch noch Reste der Fresken zu sehen. Und – das alles stammt oft aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Nach 3 km Hin- und Herwanderei und zum Schluss natürlich 382 Stufen wieder bergauf waren wir knülle und hatten auch genug Eindrücke für heute gesammelt. Ganz kamen wir um noch einige weitere nicht herum 😉, schließlich „mussten“ wir ja bei der Anfahrt auf Göreme zunächst noch den Felsen mitten in der Stadt in Uchisar bewundern, und dann eben auch noch die Ausblicke auf Göreme bei der Ortsanfahrt und vom „Panorama-Camping“ oberhalb der Stadt. Hier begrüßte uns Ahmed, versprach uns bei einem Aufenthalt von 6 Monaten weitere 6 Monate „for free“ und konnte, nachdem er unsere Ausweise kopiert und uns eingetragen hatte, sogar perfekt unser jeweiliges Alter schätzen.

Panorama Camping Göreme
38°38’49.1″N 34°49’18.2″E
http://www.goremepanoramacamping.com/

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Zentralanatolien

17.10.2018 – 242 km – Sultanhani

Diese Nacht war, trotz LKW-Rastplatz und nahe der Straße, ruhiger als erwartet und als die vorhergehende, dafür war sie mit 4°C auch deutlich kühler (wir standen allerdings auf über 1.500 m Höhe). Am Morgen ging es zeitig weiter Richtung Nordosten. Recht schnell erreichten wir Konya (hier gehts zum Wiki-Artikel) auf auch hier wieder ausgezeichnet ausgebauten, 4-spurigen Straßen. Nachdem wir die Berge hinter uns gelassen hatten (bis auf ca. 1.000 m Höhe, hier liegt Konya und das Umland auf einer Hochebene) wurde es wärmer, wenngleich es dunstig blieb. Nun fuhren wir durch steppenartige Landschaft – leicht Hügel, manchmal ein paar Felsen sichtbar, ansonsten lange und weit und endlos … nichts. Steppengras, vertrocknet wirkende Landschaft, zwischendurch immer mal wieder ein paar Äcker.

Konya (37°52’15.7″N 32°30’11.1″E) mit ca. 2 Millionen Einwohnern (die Stadt wächst rasant und die genaue Zahl weiß keiner) empfängt uns in den Außenbezirken zunächst mit ausufernden Wohnsiedlungen, ein Teil fertig und noch viel mehr im Bau. Auffällig aber auch, dass viel Grün angelegt wird, zwischen den neuen Wohnanlagen wie auch direkt an und neben den Wohnanlagen. Das setzt sich übrigens in der Stadt an vielen neuen Straßen und auch an den Ausfallstraßen in anderen Richtungen fort.

Zunächst suchen und finden wir den stadteigenen und kostenfreien Wohnmobilstellplatz (37°52’10.6″N 32°33’00.0″E). Bestens gesichert (Wachposten am nebenliegenden Park, verschlossenes Gittertor) liegt er allerdings sehr straßennah. Wir fahren erst einmal in Richtung Innenstadt, um uns zunächst das Melvana-Kloster (hier der Wiki-Artikel) und die direkt gegenüberliegende Selimiye-Moschee anzusehen. Parkplätze (bezahlte wie frei zugängliche) gibt es ein paar hundert Meter östlich ausreichend. Wir besuchen damit unsere ersten islamisch geprägten Bauten, der Unterschied zu denen anderer Religionen ist natürlich groß.

Danach schlendern wir in Richtung Innenstadt durch das Basarviertel (Bildersuche von Google). Hier sind wir nun endgültig im Orient angekommen, auch wenn es am Vormittag recht beschaulich zugeht. Die Gassen sind „sortiert“, in einer gibt es Schuhe, in der nächsten Kleider. Überall flitzen „Tee-träger“ durch die Gegend, vor jedem Laden sitzen die Inhaber und trinken – Tee, und die müssen versorgt werden. Natürlich müssen wir nun endlich auch einen Döner essen (sagenhafte 2,50 TL pro Stück). Der Inhaber freut sich auch hier wieder über unseren Besuch, Touristen hat er nicht so oft in seinem kleinen Laden (und Frauen wahrscheinlich auch nicht 😉). Und der Tee wird auch „gebracht“, auf Zuruf in irgendeine Gasse, und nicht selbst gebrüht.
Die modernen Stadtteile mit Shopping-Malls lassen wir aus, schlendern zurück zum Auto und rollen weiter in Richtung Osten.

Nächstes und für heute letztes Ziel ist Sultanhani. Zunächst passieren wir endlose Gewerbe- und Industriegebiete rund um Konya. Hier entsteht die wirtschaftliche Kraft der Stadt und Region, auch hier wird aber darauf geachtet, soviel Grün wie möglich anzulegen und den riesigen Industriebereichen (auch Chemie – und andere nicht ganz saubere Firmen gibt es) gar nicht erst ein „Schmuddel-Image“ zu verpassen. Bei diesigem Wetter (wir erfahren später, dass das am vormittäglichen Regen lag) erreichen wir Sultanhani mit seiner Karawanserei (hier zu Wiki). Selbige besichtigen wir natürlich, auch wenn sie gerade restauriert wird und wir so das prächtige Eingangstor nur teilweise sehen können. Hier im relativ öden Hochgebirgsland ging eine Route der Karawanen entlang, alle 30 km gab es Karawansereien und die hiesige ist eine der größten und besterhaltensten.

Der örtliche Campingplatz wurde uns von www.whatabus.de empfohlen, Tahir ist ein sehr netter Gastgeber. Außerdem lernen wir seinen Onkel kennen, örtlicher Teppichhändler, der neben deutsch auch noch englisch und italienisch spricht. Zuerst bekommen wir natürlich Tee und vom Onkel noch Tipps für Kappodokien, reden über die Verhältnisse heute, über Türkei und Deutschland, über Preise und über vieles mehr. Nach der Karawanserei besuchen wir natürlich des Onkels Teppichhandlung, er verspricht, dass wir nix kaufen „müssen“. Wir werden auch nicht schwach, obwohl er faszinierende Stücke hat und uns unheimlich viel über Teppiche, Teppichhandel erzählt – und natürlich auch über die „schlechten Zeiten“ – Türken wollen keine Teppiche mehr kaufen (weil einfach zur Zeit oft genug das Geld fehlt) – und Touristen kaufen lieber, wenn schon, dann den Billig-Ramsch. Und ans Meer – dahin, wo vielleicht finanzkräftige Touristen sind – nein, dorthin geht er nicht, nein. Schon aus Prinzip nicht 😉.

Beim obligatorischen Tee erzählt er uns, dass er noch ein oder zwei Jahre bis zur Rente hat, gern kocht – vor allem italienisch. Und dass er deshalb hierzulande oft als „Pantoffelheld“ verlacht wurde. Und – schönes Schlusswort von ihm – dass er immer weiter lernen will, Sprachen, kochen und immer wieder anderes. Eine von vielen schönen Begegnungen.

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Von der Küste ins anatolische Hochland

Back on the road zum südlichsten Punkt

15.10.2018 – 64 km – Kas

Wir mussten uns losreißen. Aber die Tendenzen, noch länger im Gorge Club zu bleiben, waren doch schon recht gering geworden, bzw. war uns klar, dass wir, sofern wir nicht den Rest des Urlaubs in Saklikent verbringen wollten, nun mal wieder los müssten. Selten haben wir uns an einem Ort so wohl gefühlt, aber die Erkenntnis, dass spätestens, allerspätestens die dritte Nacht die letzte für uns an einem Fleck ist ist auch nicht neu…  😉.

Am Vorabend gab es sehr leckeres Lamm, extra für uns zubereitet, als eine Art Zwiebel-Fleisch. Außerdem mussten wir noch die hauseigenen Köfte mit Reis probieren. Zum Abschluss gab es noch aus dem Nachbarrestaurant eine Shisha für uns, ein wunderschöner Abend unter freiem Himmel mit netten Menschen in der Nähe und superleckerem Essen. Man merkt oder besser schmeckt dass sowohl Fisch als auch Fleisch (und wahrscheinlich auch viel vom Gemüse) aus eigenem Anbau rund um das Camp stammt – da braucht es wenig Gewürze für den Geschmack.

Am Morgen war Ausschlafen angesagt, nach dem einen oder anderen (besser „und“) Tee machten wir uns dann gegen Mittag startklar. Nach überaus herzlicher Verabschiedung, vor allem von Said, waren wir back on the road.

Rund um Kink und Patara sahen wir riesige Flächen Gewächshäuser, Tomatenanbau im großen Stil. Wir strebten wieder der Küste zu, und von Kalkan bis Kas folgten wir einer herrlichen Küstenstraße. Kas ist ein kleiner (8.000 Einwohner) Ort in herrlicher Lage, wie so oft in einer malerischen Bucht. Die Berge im Hintergrund hinauf werden leider auch hier zugebaut, aber im Ortszentrum geht es zumindest Mitte Oktober einigermaßen ruhig zu. Wir stehen direkt am alten Hafen, hier liegen ein paar Jachten und Ausflugsschiffe, letztere vor allem für Taucher. Ort wie Hafen sind fest in britischer Hand, auf den gemieteten Jachten trinken sich die Touristen von der Insel abends das Leben schön 😉. Wir bummeln einmal durch die Restaurant- und Shoppingmeile, kaufen ein paar Lebensmittel und genießen am Abend auf der Hafenmauer den Sonnenuntergang.

Im Ort gibt es eigentlich nicht allzu viel Sehenswertes, ein antikes Theater mit Blick zum Meer und mehr dann auch nicht. Der Campingplatz auf der einen der beiden Halbinseln liegt nett und wäre bei längerem Aufenthalt sicher ein gutes Ziel. Für einen Abend bleiben wir aber im Hafen stehen (40 TL – 20 TL pro Tag). Wir dürften den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht haben, nun gilt es, noch ein Stück weit in Richtung Osten zu reisen.

36°11’51.1″N 29°38’27.2″E

Wechsel – Vom Meer in die Berge

16.10.2018 – 398 km – Mitten im Nirgendwo kurz vor Seydisehir

Eine unruhige Nacht ging vorbei – zuerst feierten wir gefühlt mit einer englischen Bootsbesatzung mit, mitten in der Nacht landeten wohl Fischer mit ihrem Fang an und danach prügelten sich lautstark Hunde und Katzen um die Reste. Egal, wir haben ja wie immer gut und viel geschlafen die letzten Wochen und verließen Kas am Vormittag. Bei weiterhin sommerlichem Wetter ging es die Küste entlang Richtung Antalya, kurz vorher war Çıralı (36°25’17.1″N 30°28’57.7″E) bzw. die zugehörige Bucht unser Ziel. Einige Kilometer bergab landen wir in diesem .. „Ort“. Eigentlich steht hier laut Reiseführer alles illegal, eigentlich darf gar nicht gebaut werden etc. Dafür sind die oder besser ist die (eine) Gasse aber recht zugebaut, es gibt kleine Pensionen in großer Anzahl, Märkte und allerlei mehr. Am Strand ist campen verboten, wir stellen uns aber trotzdem erst einmal zu den schon anwesenden Wohnmobilen. Nach einer Runde mit dem Hund sind wir uns einig, dass wir weiter fahren. Zuviel „deutsch“ als Sprache ist zu hören, zu sehr ist das hier alles „Schöner Wohnen im Grünen“ – und zum Schluss ist uns der schattenlose Platz zum Stehen bei fast 30°C zu staubig und eben zu heiß (und Dylan erst recht).

Meer hatten wir nun auch genug, also weiter, Ziel ist Konya im Inland. Antalya streifen wir nur, auch Side lassen wir mit seinen Touristenmassen nicht links, aber doch rechts liegen. Dann geht es in Richtung Norden und später weiter nach Osten. Wir klettern bis auf 1.825 m Höhe, den Pass überqueren wir bei deutlich unter 10°C, und dann beginnt es zu regnen und zu gewittern. Nach dem wir gleich zwei Unfälle sehen (trotz Hinweisschildern, bei Regen hier nur 50 km/h zu fahren, offensichtlich wissen es manche eben leider besser) halten wir an einem Rastplatz an. Wir tanken, und der Regen endet erst als es bereits dunkel ist, so bleiben wir hier kurz vor Seydisehir einfach stehen und übernachten auf einem der wenigen wirklich größeren Rasthofähnlichen Parkplätzen.

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Nach dem Regen

14.10.2018 – 0 km – immer noch Saklikent-Schlucht

Das geplante Abendessen fiel buchstäblich ins Wasser. Zunächst zog am Nachmittag ein Gewitter auf, tobte ein wenig vor sich hin, präsentierte uns dann auch einen heftigen Hagelschauer. Offensichtlich war das Wetter aus Nordosten kommend auf dem Weg zum Meer und blieb dann einige Stunden an den recht hohen Bergen hängen. Spät am Abend hatte es sich beruhigt, und wir aßen statt Forelle im Womo Nudeln zu Abend (allerdings auch lecker^^).

Am Morgen begrüßte uns Said, der berlinernde Türke, mit den Worten: „Bei dem Wetter gestern Abend hattet ihr wenigstens kein Heimweh“. Na gut, so kann man es sehen, und zu Mittag gibts ja auch wieder frische Forellen. Gesagt, getan bzw. gegessen.

Nun sind „eigentlich“ touristische Einrichtungen, wie der Gorge Club eher nicht so unsere Welt: Eine Sehenswürdigkeit, rundherum Restaurant, weitere „Attraktionen“ (Zipline, Rafting, Bungee, Verkaufsstände), dazu fast schon Großparkplätze für Touristenbusse und vor allem „Safari-Jeeps“. Hier hat alles zusammen aber eine komplett andere Wirkung auf uns, wir fühlen uns (natürlich mit dem Wohnmobil im leerstehenden Bungalowdorf rund 100 m vom Trubel entfernt) total wohl. Die Musik klingt leise zu uns herüber, allerschönstes Sommerwetter, tolle Landschaft mit den Felsen und der Schlucht und dem Fluss in nächster Nähe, und dazu auch noch Said, der  sich immer wieder unaufdringlich um uns kümmert und uns nebenbei noch viel Wissenswertes über Land, Leute und „Üblichkeiten“ beibringt – er hat als deutscher Türke oder türkischer Deutscher gut den Blick aus beiden Richtungen.

Lange Rede, kurzer Sinn: wir bestellen für heute Abend Lamm-Kepab und bleiben einen weiteren Tag – und drei Nächte am Fleck sind wahrlich nicht so üblich bei unseren Reisen.

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Schlammwaten und frische Forellen

12.10.2018 – 151 km – Saklikent-Schlucht

13.10.2018 – 0 km

Zurück, vorbei am See, kamen wir an ziemlich großen Plantagen mit Zitrusfrüchten vorbei. An einem der Verkaufsstände deckten wir uns damit ein (Zitronen, Orangen und andere Früchte, die alle nicht sehr süß, aber unheimlich wohlschmeckend sind) und hatten nach viel Palaver und Gelächter eine ziemlich große Tüte voll für 10 TL. Eigentlich ging es weniger ums Verkaufen, denn der Preis hatte mit dem Gegenwert recht wenig zu tun (ca. 1,30 Euro), vielmehr wohl eine Art von Gastfreundschaft. Selbige ereilte uns dann auch in Fethiye. Auf der Suche nach einer Gelegenheit, etwas Kleines zu Mittag zu finden landeten wir im nicht ganz so touristischem Stadtzentrum in oder besser vor einem Lokal, das nur von Einheimischen frequentiert wird.  Am Küchentresen waren wir überfordert, Lautstärke, von allen Seiten wurde gleichzeitig bestellt, in den Töpfen nur Unbekanntes – so bestellten wir einfach am Bezahltresen einmal Pide und einmal Lamahkun und bekamen für 20 TL (2,80 Euro, insgesamt, wohlgemerkt) eine komplette Mahlzeit, Salat, Brot und Wasser noch dazu. Auch hier standen etwas höhere Preise angeschrieben, aber offensichtlich freute man sich über unseren Besuch 😉!

Fethiye liegt in der Bucht einer Bucht einer Bucht (oder letzteres besser gesagt „Golf von Fethiye“), man sieht kein offenes Meer und der bzw. die Häfen liegen somit extrem geschützt. Die Stadt ist auch jetzt, mitten im Oktober, noch fest in der Hand britischer Touristen, macht aber insgesamt durch das Fehlen jeglicher Hotelburgen (keinerlei Gebäude über 3 Etagen) einen angenehmen Eindruck – und im Hinterland liegt auf den höchsten sichtbaren Gipfeln des Taurus schon ein Hauch von Schnee … Wir schlendern an den Häfen entlang, erst Jachten, dann Boote, dann Ausflugsschiffe, dann wieder Segeljachten …. Nach dem Mittag drehen wir in der sog. Altstadt (enge Gassen, mit großen Stoffbahnen überspannt, ein Touri-Laden am nächsten) noch eine Runde.

Ein paar Kilometer weiter erwartet uns die Saklikent-Schlucht. Den größten Teil des Bereichs zwischen Straße, Felsen, Fluss und Eingangsbereich der Schlucht nimmt der „Gorge Club“ ein. Hier gibt es alles, was Mensch bzw. Tourist braucht, für uns also zunächst einmal einen Stellplatz.  Nach wenigen Worten Englisch werden wir im breitesten Berliner Dialekt begrüßt, hier arbeitet unter anderen ein (nach eigener Aussage) „reinrassiger Türke, geboren und aufgewachsen in Berlin, mit deutschem Pass, aber vor 10 Jahren aus Deutschland ausgewandert“. Für 50 TL / Nacht bekommen wir einen schönen Platz mit Wasser, Strom, warmer Dusche etc., am Abend essen wir ganz frische Forellen.

Am Samstag gegen 10 starten wir in die Schlucht (7 TL Eintritt, die separaten Führer kann und sollte man einfach ablehnen). Bis zu 300 m hohe Felsen rechts und links, dazwischen 3 – 15 m breit ein Flusslauf. Die ersten Meter geht es über Holzplanken – danach sollte man wasserfeste Schuhe (gibt es für wenig Geld auszuleihen oder zu kaufen) und kurze Hosen anhaben. Zunächst kommt sehr klares Wasser aus dem seitlichen Felsen mit recht viel Schwung, danach der „Schlammbach“ aus dem eigentlichen Tal. An diesem entlang, öfter auch hindurch geht es immer weiter in die Schlucht hinein.  Meist verschwinden nur die Füße in der grau-brauen Brühe, manchmal erreicht sie aber auch die kürzeste Hose … 😉. Wir haben wieder einmal Glück und die Schlucht für uns allein, da wir vor 10 Uhr losgelaufen sind. Nach einer Weile (die Schlucht ist 13 km lang, bis ans Ende ist wohl noch keiner gekommen, jedenfalls nicht durch die Schlucht) und ca. einem halben Kilometer wiederholen sich die Blicke, und wir kehren um. Nun treffen wir auch die ersten anderen Menschen, die teils wagemutig, teils unbeholfen durch den Fluss … sich vorwärtsbewegen. Sicher lustig, hier eine Weile zuzuschauen, aber die Schlucht ohne Gekreische und Helm-bewehrter Touristen war uns dann doch lieber…

Die Schlammreste waren schnell abgewaschen, die Sachen hingen in der Sonne zum Trocknen und wir beobachteten von unserem Stellplatz mit ausreichend Abstand das touristische Treiben (Rafting, Zippline und allerlei mehr wird den in standesgemäßen Offroadfahrzeugen herbeigekarrten Touristen angeboten). Dennoch empfanden wir die „Betreuung“ (insbesondere die in deutschähnlichem Berlinerisch) als unaufdringlich und nett, die gesamte Anlage als sehr angenehm. Und da nicht nur die Forellen lecker waren, sondern auch alles andere Ess- und Trinkbare hier aus der eigenen, direkt nebenan betriebenen Landwirtschaft stammt blieben wir noch eine Nacht, um zumindest noch einmal zu Abend essen zu können.

www.gorgeclub.com.tr       www.saklikentgorge.net
36°28’26.6″N 29°24’10.9″E

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04. – 11. Oktober 2018

Melnik in Bulgarien und: Drama in Griechenland!

04.10.2018 – 592 km – Gelibolu (TR)

Für Melnik sprachen zwei Gründe: oft genannt als interessanter Ort zum Anschauen und als bekannter Weinort. Außerdem dunkle Erinnerungen an die 80er Jahre und einen Besuch, der in der Erinnerung wohl wundervoll verklärt ist (und bleibt).
Also machten wir uns vom Rila-Kloster-Parkplatz beizeiten auf dem Weg. Kurz und knapp. Naja! Man kann Melnik besuchen, man muss es aber nicht. Die Häuser mit der eigenwilligen Architektur sind ganz nett anzusehen, wenn auch in recht unterschiedlichem Erhaltungszustand. Die diversen Andenken- und Weinshops sehen alle identisch aus und zum Einkauf verleiten sie eher weniger. Nach 20 Minuten sind wir die linke Ortstraße hinauf und die rechte wieder hinunter und schon wieder auf der Straße.

Der gestern Abend noch geänderte Plan hieß: Nicht durchs Pirin-Gebirge (und am Roshen-Kloster vorbei) über etliche Kilometer Landstraßengegurke nach Plovdiv und von dort nach Edirne in die Türkei, sondern über Sandanski nach Griechenland und dort über große Teile Autobahn in Richtung Türkei. Der Plan war gut, und hundert Kilometer weiter war „Drama“ (der Ort in Griechenland) eines der Zwischenziele 😉.

Die meist gut ausgebauten und relativ leeren Autobahnen kosteten uns günstige 6 Euro (Strecken-)Maut an insgesamt 3 Mauttoren, während die Tankstellen mit Preisen deutlich über denen in Deutschland nicht punkten konnten (wir hatten noch in Bulgarien aufgefüllt). Am Nachmittag kam die Grenze, die uns alles in allem eine halbe Stunde aufhielt und völlig problemlos war – auch wenn die schwer bewaffneten Soldaten auf den Brücken zwischen beiden Ländern nicht gerade ein schönes Bild abgaben.

Ziel war Gelibolu auf der Gallipoli-Halbinsel. Hier suchten und fanden wir schnell einen schönen Platz, etwas oberhalb des Ortes direkt unterm Leuchtturm. Die Nacht war stürmisch und nicht ganz ruhig – letzteres kennen wir ja schon – Plätze, an denen man frei stehen kann sind, zumindest in Ortsnähe, sind oft auch Treffpunkte für Jugendliche. Sind diese Flecken dann noch direkt am Meer kommt eine Eigenschaft der Einwohner von Orten am Meer hinzu, die wir schon oft erlebt haben: man fährt abends ans Meer, schaut (wahrscheinlich, ob es, also das Meer, noch da ist) und verlässt den Platz nach wenigen Minuten oder auch ein, zwei Stündchen wieder. Hier kam noch dazu, dass da oder dort ein (heimliches?) Bier getrunken wurde, oder unbelauscht die eine oder andere Diskussion geführt werden kann… Und das jugendliche Publikum (zu zweit und gemischt-geschlechtlich) flüchtet auch hierher vor der Großfamilie. Kurz und gut, es war Leben rund um uns herum, nachts um halb zwei dann auch mal laute Musik aus einem Autoradio. Trotz allem waren wir ausgeruht, und am Vormittag suchten wir Geldautomat und Supermarkt, verliefen uns in den Gassen der Stadt ein wenig und fuhren dann am späten Vormittag weiter, „Richtung Asien“.

Strandtag in Asien

05.10.2018 – 104 km – Strand von Yeniköy

Eceabat umfuhren wir, in Kilitbahir bezahlten wir 65 Türkische Lira (TL) – zur Zeit wohl knapp unter 10 Euro – für die Überfahrt nach Canakkale. Kurze Wartezeit, kurze Überfahrt – und wir verließen die Fähre in Asien. Wir durchquerten den Ort nach Süden, fuhren an Troja vorbei und bogen dann kurzerhand in Richtung Meer ab. Nach ein paar Kilometern waren wir am „Papaz Piaji“ (oder direkt daneben) und hatten einen wunderschönen Strandabschnitt mit dahinterliegendem Stellplatz für uns allein. Rudimentäre Anlagen, bestehend aus ein paar Wasserhähnen und ein paar Freiluftduschen deuten darauf hin, dass hier in wärmeren Monaten wohl eine Art Wohnmobilstellplatz sein könnte.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit in der Sonne sitzen und am Strand herumlaufen (Dylan machte dabei deutlich mehr Meter als wir).

 

Durch die nördliche Ägäis nach Süden

06.10.2018 – 412 km – Pamucak

In aller Ruhe verlassen wir den schönen Strand, um die Nordägäis mehr oder weniger komplett in Richtung Süden zu durchqueren. Die alten Steine von Pergamon lassen wir zunächst aus, vielleicht besuchen wir diese auf dem Rückweg. Meist ist die Küstenstraße in gutem Zustand, es fehlen wie in fast allen südlichen Ländern Rast- oder gar Parkplätze. Unterwegs tanken wir für 6 ½ Türkische Lira pro Liter Diesel, das dürfte nach aktuellem Kurs unter einem Euro liegen.

Izmir umfahren wir auf dem Autobahnring (gebührenfrei) – mit ihren dreieinhalb bis vier Millionen Einwohnern hat sie gigantische Ausmaße, wegen ihrer Lage nicht nur die drittgrößte Stadt der Türkei, sondern wirtschaftlich eine der wichtigsten Regionen. Neben dem bedeutenden Hafen kommen viele (billige) Arbeitskräfte aus den Weiten Anatoliens hierher. Nördlich der Stadt rund um Aliaga sieht man riesige Industrieanlagen – und vor allem riecht man sie.

Südlich von Izmir dann wieder das gleiche Bild wie nördlich außerhalb der Städte – Landwirtschaft, soweit man sieht, riesige Olivenanpflanzungen und ansonsten größere Mengen an Baumwollfeldern. Wir erreichen dann Selcuk, den Ort, zu dem die Ausgrabungen von Ephesus gehören, und damit unser heutiges Ziel. Zum Übernachten fahren wir auf den Dereli Motel Camping in Pamucak, direkt am Meer gelegen. Der Platz hatte sicher schon bessere Zeiten, aber die Lage entschädigt und das Abendessen im Restaurant des Platzes ist gut und reichlich. Der Einfachheit halber nahmen wir gemischte Vor- und Hauptspeisen, so hatten wir Humus und Tzaziki, Köfte, Geflügel und vieles mehr und dazu das einheimische Efes-Bier.

Dereli Motel Camping
http://www.dereli-ephesus.com/index.htm
60 TL für 2 Personen + Wohnmobil inkl. Strom und V+E (auch hier keine Grauwasserentsorgung)

 

Ephesus und Ruhe am See

07.10.2018 – 114 km – Kapikiri (Bafa-See)

Wir starten gegen 8, wecken den jungen Mann an der Rezeption und zahlen mangels Wechselgeldes nur 50 TL, danach rollen wir die wenigen Kilometer auf den Parkplatz von Ephesus. Wir nehmen den sog. Unteren Eingang – hier sollte man sich nicht beschwatzen lassen, zum oberen Eingang gefahren zu werden – auch von hier aus ist fußläufig alles bestens zu erreichen. Einzig die Dramaturgie der Besichtigung könnte andersherum vielleicht etwas besser sein ….

Wir sind mal wieder fast die allerersten auf dem Gelände, so entgehen wir der Fahrzeugkontrolle vorm Eingang und auch der Personenkontrolle – fast wie auf einem Flughafen mit Taschendurchleuchten und anderen Kontrollen. Und – das Gelände ist absolut beeindruckend! Besonders das große Theater (eine Arena für ca. 25.000 Menschen, mit Bühne, Orchestergraben und allem, was dazu gehört fasziniert, natürlich ist auch die Lage genial! Von diesem aus führt eine mit Marmor ausgelegt und von Säulen bzw. Wandelhallen begrenzte breite Allee ins – Gebüsch! Zumindest heute, den früher lag an deren Ende ein Hafen in einer heute verlandeten Bucht. Auch die Bibliothek ist toll – ihr Eingangsbereich mit Bögen, Säulen, Statuen und anderem wurde in 70er Jahren aus über 800 Originalteilen wieder aufgebaut.  Das Ding stammt aus dem Jahre 135 n.Chr., und während man in anderen Gegenden noch nicht einmal richtige Perspektiven zeichnen konnte wurden hier erstaunliche Kniffe angewandt – z.B. sind die äußeren Bereiche der Fassade niedriger bzw. kleiner gebaut als der mittlere Teil – damit wirkt die gesamte Fassade größer, als sie ist. Auch solche Feinheiten wie gekrümmte Fugen konnte man bauen…. Alles ziemlich beeindruckend.

Extra Eintritt und extra spektakulär – die sog. Hanghäuser. Wohnungen am Hang für die „oberen 10.000“. Der gesamte Bereich ist heute mit einem riesigen Zelt überdacht, im Inneren gibt es diverse Wohneinheiten über mehrere Etagen. Zu sehen sind beheizte Bäder, Fußbodenheizungen und anderer Luxus, auch verglaste Fenster gab es bereits (die sind übrigens nicht mehr zu sehen 😉). Am beeindruckendsten sind die vielen teilweise sehr gut erhaltenen Mosaikfußböden und Wandmalereien.

Grabungsgelände Ephesus – Eintritt 60 TL pro Person, die Hanghäuser noch einmal 30 TL. Der Parkplatz schlägt mit 10 TL zu Buche. Alles in allem nicht preiswert, aber mehr als lohnenswert. Zwei Stunden braucht man mindestens, man kann aber sicher auch einen ganzen Tag im Gelände verbringen, ohne sich zu langweilen.

Weiter ging es für uns nach Söke in die Shopping Mall, mit „echtem“ Wohnmobilstellplatz auf dem Großparkplatz des Geländes (Strom, Wasser, Entsorgung für Grauwasser, keine WC-Entsorgung, kostenfrei). Wir kauften nur ein und fuhren direkt zum Bafa-Gölü. Am Ostufer gibt es die alte Stadt Herakleia, mitten in deren Ruinen bzw. Resten ist das heutige Dorf Kapikiri (325 Einw.). Von der Landstraße 525 sind es keine 10 km, die letzten davon sind allerdings „sehr eng“. Am Ende des Dorfes gibt es „Herakleia“ als Restaurant und Pension, mit Hühnern, Esel und Hunden (eben in einem richtigen Dorf). Auf dem Parkplatz ist selbstverständlich auch „Camping“, Strom könnte man auch bekommen, für 40 TL / Nacht. Auf jeden Fall bekommt man einen einzigartigen Blick auf den See, eine vorgelagerte Insel mit Festung, einen kleinen Strand – kurz und gut alles, was das Urlauberherz eben so manchmal begehrt. Mit Nichtstun verbringen wir einen entspannten Nachmittag.

 

Idylle am See und in der Bucht

08.10.2018 – 0 km

09.10.2018 – 355km – Zw. Mesudiye und Palamutbükü (Bucht kurz vor Knidos auf der Halbinsel Resadiye)

10.10.2018 – 0 km

Weil es am Bafa-See wunderschön, ruhig und fast schon postkartenartig idyllisch ist bleiben wir einen Tag und verbringen ihn mit – wie sollte es anders sein – Nichtstun.

Am nächsten Morgen starten wir in aller Ruhe Richtung Bodrum. Das St. Tropez der Ägäisküste ist schon lange bevor man es erreicht als Ort der „Reichen und Schönen“ zu erkennen. Ab dem Flughafen fressen sich Ferienanlagen zunächst in die Landschaft der Halbinsel Iasos. Danach reihen sich entlang der Zufahrtsstraße noble Hotels aneinander – die Lage am Strand erkennt man bestenfalls auf den Werbetafeln, von der Straße aus sieht man nur die etwas überdimensionierten Einfahrten – mal hypermodern in Schwarzem Glas und Beton, mal verspielt und vergoldet. Bodrum selbst empfängt uns mit schönen Blicken über die Stadt zum Hafen, in und vor dem die eine oder andere Yacht dümpelt. Dummerweise sind wir zur Mittagszeit da und der Verkehr ist uns einfach zu viel, um uns in der Innenstadt nach einem Parkplatz umzusehen. Wir kaufen ein Stück außerhalb ein und rollen weiter auf die Dacta-Halbinsel (Dacta heißt der Hauptort, die Halbinsel eigentlich Resadiye). Zunächst vorbei an Marmaris geht es bergauf und bergab durch größtenteils grüne Berge (immer mal wieder von Meereshöhe auf 500 m hoch, und natürlich wieder runter). Wir passieren zwei Campings neben der Straße und erreichen Dacta. Leider checken wir erst kurz zuvor die Anfahrt zum im Reiseführer beschriebenen Campingplatz im Ort und stellen fest, dass dieser laut Google wegen Bauarbeiten am Hafen gar nicht mehr geöffnet hat. Egal, bisher fand sich noch an jedem Hafen ein Plätzchen, um zumindest zu parken.

Nicht so in Dacta, entweder haben wir die richtige Stelle nicht gefunden oder diese gibt es auch nicht, nach einigen recht engen Gassen sind wir aus dem Ortszentrum wieder raus. Zum Glück wussten wir von zwei Buchten bei Mesudiye, in der ersten war kein geeignetes Plätzchen für uns, in der nächsten Bucht dafür ein umso schöneres. Ein Kiesstrand in einer engen Bucht, abends gar nichts, morgens ein paar Fischerboote, die draußen ihre Netze prüfen, und tagsüber ein paar Badeurlauber.

Da wir mittlerweile Temperaturen von stabil um die 25°C haben bei wolkenlosem Himmel war die gestrige Kurverei ein wenig anstrengend, und so legen wir einenTag „Fahrpause“ ein.

36°40’34.5″N 27°32’14.7″E

Zwischenfazit nach knapp einer Woche in der Türkei: Wie so oft bzw. eigentlich immer sind alle Vorbehalte recht gegenstandslos. Grundsätzlich empfinden wir die Türkei als ein Land, dass Mitteleuropa in der Lebensweise sehr viel näher ist als mancher Balkanstaat. Und das trifft für den asiatischen Teil, den wir bisher gesehen habe, genauso zu wie für den europäischen. Auffällig ist eine hohe Präsenz an türkischen Fahnen allerorten – für uns ungewohnt, aber wohl eher, weil es bei uns oft an so etwas wie Nationalstolz fehlt. Und auffällig sind auch die recht häufigen Kontrollpunkte an den Straßen, die zu 50% nicht nur eingerichtet (Spurverengung, 30 km/h) sondern auch besetzt sind. Wir wurden bisher immer durchgewunken bzw. völlig ignoriert, echt kontrolliert werden sehr wenige Fahrzeuge. Die Auswirkungen der Lira-Abwertung können wir schlecht einschätzen, nach außen hin ist davon wenig bis nichts zu spüren. Nur für uns sind die Preise recht „günstig“, insbesondere Diesel schlägt mit durchschnittlich 6,40 TL und damit knapp unter einem Euro zu Buche. Auf jeden Fall fühlen wir uns bisher durchaus wohl im Land und auch willkommen.

 

Viele Kurven und die Tour de Tükiye

11.10.2018 – 221 km – Ekincik-Bucht

Nachtrag zum Badetag an der Bucht gestern: Im Laufe des gesamten Tages kamen immer wieder Einheimische zum Baden – wir wurden von allen zumindest freundlich gegrüßt. Auch fragte man uns, ob es stört, wenn man ein paar Meter vor unserem Wohnmobil parkt – natürlich nicht, nur weil wir schon da waren und de facto hier wohnen gehört uns ja nicht gleich die Bucht 😉.  Und eine ältere Frau schenkte uns einfach so ein paar reife Früchte, irgend eine Art von Mandarinen. Total nett.

Im Übrigen sind wir nun so weit im Süden, dass es Bananenstauden und Zitrusfrüchte in größeren Mengen gibt – mit dem heutigen Tag sind wir ja auch fast 4.000 km unterwegs. Übrigens schmecken die hiesigen Früchte auch deutlich besser als dergleichen bei uns.

Am Morgen verließen wir nach einem kleinen „Hausputz“ die Bucht und fuhren an die äußerste Spitze der Halbinsel, zu den alten Steinen von Knidos. Die 20 km bis dorthin hatten es ein wenig in sich. Schmale Straßen sind wir mit unserem etwas breiten Fahrzeug ja gewohnt. Und Ortsdurchfahrten, in denen man besser keinen Gegenverkehr bekommt, auch. Wenn diese Gassen, die kaum breiter sind als unser Auto, wegen eines Marktes aber zugeparkt sind wird’s höllisch eng. Aber die Leute sind auch hier alle nett, und beim 10-kmh-Zickzack-Kurs durch die Marktstände wird auch mal ein Klamottenständer oder ein Schirm beiseite gerückt für uns. Immer verbunden mit Winken, Gelächter und freundlichen Gesichtern.

Die Ausgrabungen von Knidos (24 TL für 2 Personen, also unter 2 Euro / Person) sind noch nicht weit fortgeschritten und somit recht wenig spektakulär. In Verbindung mit der Landschaft und der Lage direkt an der Spitze der Halbinsel aber recht beeindruckend. Landeinwärts hatte die Stadt einen Handelshafen, dieser wird auch heute noch von Seglern genutzt, auf der Seite in Richtung See einen Militärhafen, der heute – zum Glück – ungenutzt ist.

Dann ging es – so ist das nun mal mit Halbinseln – den gesamten Weg bis Marmaris zurück, schlechte Straßen, auch mal bessere, aber immer bergauf und ab und kurvig.  Wir streiften die Stadt wieder nur, weiter in Richtung Südosten endete hier nun auch die Ägäis. Der nun folgende Küstenabschnitt wird Lykische Küste genannt. Auch Lykien wird durch viele Strände geprägt, durch „alte Steine“ und im Hinterland durch den Taurus mit über 3.000 m hohen Bergen.

Vor Meer oder Bergen beschäftigte uns aber zunächst einmal die Türkeirundfahrt der Radprofis. Beginnend mit dem Ortsausgang von Marmaris standen in Richtung der Stadt und somit in unserer Gegenrichtung immer wieder Polizeikontrollen. Irgendwann fiel uns auf, dass an jeder Kreuzung Uniformierte waren, die aber nichts kontrollierten. Später kamen uns gefühlt hunderte Motorräder, Zivil-PKWs und andere, oft mit Blaulicht entgegen. Zunächst dachten wir an eine Wahlkampfreise eines Politikers, bis uns klar wurde, dass hier ein Radrennen abgesichert wurde. Der Aufwand dafür war gigantisch, und ganz sicher kaum kleiner als bei der großen Tour de France. Dazu: winkende Kinder am Straßenrand (schulklassenweise in Schuluniformen) und schlussendlich (wir waren neugierig auch stehengeblieben) wurde auf einer Baustelle der Bagger umfunktioniert, am Ausleger die türkische Fahne befestigt und so weit nach oben wie möglich ausgefahren…. Das Rundrum war schon faszinierend, und die Radfahrer kamen dann auch noch vorbei!

Wir bogen dann ab nach Köycegiz am gleichnamigen See, warum der Tourismus hier keine Wurzeln schlägt fiel selbst uns beim Durchfahren auf und so durchfuhren wir den Ort ohne Halt. Entlang des Sees (übrigens eine verlandete Meeresbucht) erreichten wir zunächst eine Schwefelquelle mit angeschlossener Therme, hier gefiel es uns nicht wirklich, so dass wir noch einige Kilometer weiter in die Ekincik-Bucht fuhren. Auf dem gleichnamigen Camping war nicht mehr sooo viel los, aber der Betreiber fand uns oder wir ihn und so blieben wir direkt hinter den braunen, feinen Kiesstrand stehen.

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Rila Kloster

03. Oktober 2018 – 365 km – Rila Kloster

Am Morgen ver- und entsorgen wir auf dem Platz, bezahlen und starten zunächst Richtung Sofia. Die Straßen sind unterwegs „südosteuropäisch“, mal Loch an Loch, mal völlig neu gebaut (meist steht an diesen Abschnitten am Anfang ein Schild mit irgendeinem Text zur EU …). Unterwegs gibt es eine Umleitung (gefühlte 30 Mehrkilometer „über Land“), und rund um Sofia eine Ausschilderung, die einen zur Verzweiflung bringen kann. Teils durch Zielangaben, die man noch nie gehört hat, teils durch einfaches Nicht-vorhandensein.

Das Wetter wird ebenfalls südosteuropäisch, nämlich immer wärmer. Nachdem wir uns um Sofia herum gekämpft haben machen wir viel später als geplant Mittag und landen dann gegen 16 Uhr am Rila Kloster. Auf dem Parkplatz löhnen wir 10 Lewa, das ist zwar der Bustarif, aber auf Nachfrage dürfen wir bis 10 Uhr am nächsten Tag stehen bleiben. Wir laufen zunächst am Kloster außen vorbei und ein Stück weiter ins Tal, dort gibt es noch zwei Hotels und viel Natur. Auf 1.150 m Höhe ist es immer noch angenehm warm.

Dann besichtigen wir das Kloster, und können nur bestätigen, was wir bereits vorab gelesen haben. Nach wenigen Minuten ergreift einen die Stimmung, und später kann man es kaum beschreiben. Es ist weder die Architektur noch die Lage (hinter den Gebäuden sind überall die hohen Berge zu sehen), es ist nicht der Weihrauch-Geruch aus der Kirche im Inneren des Komplexes oder irgend etwas „religiöses“ – dennoch erzeugt alles eine Stimmung, die einen direkt erfasst.

Wir haben Glück, es sind wenige Menschen da, wir können herum schlendern, den Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert bestaunen und die Bilder außen an der Kirche, auch die Unmenge an Gold im Inneren. Die meiste Zeit sitzen wir einfach am Rande auf den Stufen …..

Relativ schnell wird es auf dem Parkplatz noch vor Einbruch der Dunkelheit ruhig, obwohl wir direkt an der Straße stehen hören wir nichts weiter außer dem Rauschen des Baches im Tal und den Glockenschlägen im Kloster ….

Kloster Rila
Рилски манастир „Свети Иван Рилски“
42°07’57.8″N 23°20’22.4″E

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Herbst 2018 – Richtung Türkei

29.09.2018 – 64 km – Bautzen

Urlaubsziele sind Bulgarien und vor allem die Türkei, aber wir gehen es mal wieder gaaaanz langsam an. Wir starten in nordöstlicher Richtung und sind nach einer knappen Stunde bereits am ersten Ziel, in Bautzen. Der sehr stadtnah gelegene Parkplatz ist rappelvoll, die vier für Wohnmobile angelegten Stellplätze natürlich ebenfalls. Wir finden eine Lücke und machen uns bei kühlen Temperaturen, aber Sonnenschein, direkt auf zur Stadtbesichtigung. In relativ flachem Umfeld ist die Stadt doch über der Spree mit einigen Felsen ausgestattet. Wasserkunst (so heißen die alten Wasserversorgungsanlagen) gibt es zwei, dazu eine Reihe von Stadttoren. Wir schlendern durch die gesamte Innenstadt, die uns ganz gut gefällt und landen am frühen Abend am Aussichtspunkt zwischen Wohnmobilplatz und Stadt und stoßen mit einem Bier auf den Urlaubsbeginn an.

Wohnmobil Stellplatz Bautzen
Schliebenstraße 20, 02625 Bautzen
51°10’54.9″N 14°24’53.8″E

30.09.2018 – 641 km – Slowakisches Paradies (SK)

Los geht es in Richtung Osten, in Görlitz über die Grenze und dann immer die polnische Autobahn bis Krakau. Maut bezahlen wir einmal mit vorher gezogenem Ticket und zweimal an Mauttoren, in Summe ca. 8,50 Euro genommen werden Euro, Rückgeld in Zloty). Südlich von Krakau biegen wir nach Süden ab und fahren in Richtung Zakopane bzw. Hohe Tatra. Diese um- bzw. durchfahren wir am Nachmittag bei sehr schönem Licht (Gegenlicht, keine Chance auf Bilder bei der tiefstehenden Sonne) und landen südlich des Gebirges bei Poprad. Durch die Stad geht es noch ein paar Kilometer weiter bis zum Nationalpark Slowakisches Paradies. An dessen Eingang ist der Campingplatz mehr oder weniger bereits geschlossen, und so richten wir uns auf dem Parkplatz davor zur Nachtruhe ein.

Slowenisches Paradies
http://www.podlesok.sk/en/
Autocamping Podlesok s.r.o.
Podlesok 573/33
SK-053 15 Hrabušice
48°57’51.8″N 20°23’06.9″E

01.10.2018 – 653 km – Timisoara (RO)

Nach recht kalter Nacht ist es am Morgen bewölkt, von der Tatra nicht viel zu sehen und so fahren wir statt auf der Landstraße auf der Autobahn D1 (gebührenpflichtig) zunächst Richtung Osten. Eigentlich wollten wir „Berge gucken“ und am Liptowsker Meer einen kleinen Abstecher machen, aber der Himmel blieb grau und die Berge in Wolken versteckt. Weiter ging es dann über Banska Bystrica in Richtung Ungarn, über die Grenze und bei Vac auf den Stadtring von Budapest. Über die M5 Richtung Szeged wollten wir bis zum Reitercamp Lajosmisze oder nach Kistelek zum Übernachten, weil es aber noch zu früh am Tage war rollten wir 180 km weiter nach Rumänien. An der Grenze vor allem in Richtung Ungarn stauten sich die LKW wohl an die 30 km, Rumänien ist zwar EU-Land, aber noch immer nicht in den Schengen-Raum aufgenommen. Hier sieht man, wie einige der reicheren Länder den europäischen Gedanken entgegen ihrer Sonntagsreden mit Füßen treten (D und F haben „Bedenken“, Rumänien wie auch Bulgarien in den Schengen-Raum aufzunehmen …). Wir hingegen werden zwar kontrolliert, passieren die Grenze aber zügig. Vorbei an Arad erreichen wir Timisoara und wollen an einer großen Shopping Mall parken – dort wird aber gerade massiv gebaut. Auf einem Ausweichparkplatz bedeutet uns der Nachtwächter, dass wir hier nicht stehen dürften, zeigt uns aber auch wenige Meter entfernt eine Alternative (die eigentlich genauso wenig „offizieller Parkplatz“ ist ;-)). Wir laufen noch in die Altsatdt, die eine lange österreich-ungarische Zugehörigkeit nicht verleugnen kann. Besonders beeindruckt sind wir vom sog. Domplatz, der rundherum fertig saniert am Abend eine ganz besondere Atmosphäre erzeugt. Beindruckend auch der Platz mit der Oper und der gegenüberliegenden orthodoxen Kirche, der jedoch dazwischen mit völlig unsanierten Häusern einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt.

Die Stadt macht insgesamt einen „freundlicheren“ Eindruck als wir viele andere Orte vor 3 Jahren erlebt haben, auch in den Vororten, die wir duchfahren. Wirklich gut saniert ist aber nur das ganz eng begrenzte Stadtzentrum.
(Stadtzentrum: 45°45’28.6″N 21°13’44.1″E)

02.10.2018 – 423 km – Falkovets (BG)

Ganz zeitiger Start (die Uhren sind bereits eine Stunde vorgestellt), es geht noch ein Stück auf der Autobahn entlang und dann lange, lange auf Landstraßen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir das „Eiserne Tor“ mit den Wasserkraftwerken zwischen Serbien und Rumänien. Kurz danach kamen wir nach Calafat zur Brücke „Neues Europa“ und damit zur Grenze nach Bulgarien. Die Brücke wurde bereits in den 70er Jahren geplant, aber erst 30 Jahre später projektiert und 2013 eröffnet. Es ist nach Russe-Giurgiu erst die zweite Brücke über den Fluß zwischen den beiden Ländern. In den 80er Jahren hatte ich noch das Vergnügen, die Grenz- und Zollkontrolle auf der Fähre zwischen beiden Orten zu erleben …

Auch hier wieder in beiden Richtungen lange LKW-Schlangen, für uns aber problemlose Überquerung der Grenze. Die bulgarische Maut, so lasen wir vorab, wird meist direkt am Zoll oder an der Grenze kassiert, hier war nix davon und so fuhren wir erst einmal in Widin in den Ort, um an der erstbesten Tankstelle die Mautplakete zu erwerben (30 Lewa = 15 Euro für einen Monat).

Erstes Ziel in Bulgarien war dann Belogradtschik. Hier gibt es Felsengebiet, auf knapp über 500 m Höhe ähnlich der Sächsischen Schweiz, mit rötlichen Felsen. Der Ortsname heißt „Weiße Burg“ und bezieht sich auf eine Burg, die teils angelegt, teils die Felsen nutzend über der Stadt errichtet wurde und die wir natürlich besuchten (6 Lewa Eintrtt pro Person). Auf der anderen Seite des Felsengebietes befindet sich ein netter kleiner Campingplatz (mit Restaurant und Pension). Hier bleiben wir für die Nacht (7 Lewa pro Person, 16 für das Wohnmobil und 6 Lewa für Strom, dazu V+E, allerdings nicht für Grauwasser).

Camping Madonna, Road 114 Belogradschik
43°35’52.4″N 22°46’47.6″E
www.hanmadona.com

 

 

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Albanien – Versuch eines Fazits

Albanien war vor mehr als einem Jahr nichts weiter als ein Wort, ein Begriff für uns. Irgendwo „hinter“ dem ehemaligen Jugoslawien, aber noch „vor“ Griechenland. Einzige Erinnerung – der Anblick vieler hoher und recht kahler Berge von Bord eines Fährschiffes nach Korfu …

Ein homogenes Fazit zu vier Wochen im Land ist schwer, es treffen so viele Dinge zusammen: die herzliche Freundlichkeit der Menschen, typisches „Südeuropäertum“, in vielem Chaos und Unfertiges, grandiose Natur,  .. die Aufzählung ließe sich weiterführen.

Die Natur zwischen dem Ionischen Meer im Westen und den Gebirgen in allen anderen Himmelsrichtungen zu beschreiben überlasse ich Menschen, die der Sprache mächtiger sind als ich. Wir staunten oft, vor allem ob der Berge und der Vielzahl ihrer Erscheinungen. Bedingt durch die Langsamkeit des Reisens (es gab Tage, da machte unser Wohnmobil im Schnitt 25 kmh) wurden wir noch langsamer, hielten öfter an. In Albanien findet sich für Naturliebhaber alles von alpinem Hochgebirge mit Bergseen über Mittelgebirge bis hin zu unterschiedlichen Stränden.

Der Umgang mit uns als Touristen war überall von zwei Dingen geprägt: Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft – oft wenn wir sie (noch) gar nicht in Anspruch nehmen wollten, ohne je aufdringlich zu sein. Und Korrektheit. Jawohl. Auch wenn dieses Wort so gar nicht zum oben angeführten südeuropäischem Flair passen mag – immer wurde Wert darauf gelegt. Wechselgeld bis zum letzten Lek vorzählen, Kassenbelege aushändigen, keine überhöhten Touristenpreise – die „Fremden“ werden geschätzt und sollen ein gutes Gefühl haben.
Und von der Idee, die hier hinter dem Begriff „Tourismus“ steckt kann sich manch anderer „Tourismus“betrieb im Rest Europas eine dicke Scheibe abschneiden. Hier verbindet sich das Geld-verdienen der Einheimischen immer auf höchst angenehme Art und Weise mit Gastfreundschaft.

Vor der Reise fragte uns gefühlt jeder: Ist Albanien denn sicher? Ja, es ist von allen Ländern, in denen wir bisher waren, das sicherste Land, um mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein. Zumindest empfanden wir das so. Nirgendwo hat man dieses bekannt-komische Gefühl, wenn man das Fahrzeug abschließt und weggeht, nicht auf Stell- oder Campingplätzen, aber auch nicht in Städten oder in der „Pampa“. Aber auch die Begegnungen am Wohnmobil selber – seien es kiffende Jugendlich in der Nacht, die neben einem parken, oder neugierige Hirtenjungen, die sich vorsichtig annähern und radebrechend ins Gespräch kommen wollen – nichts davon macht auch nur den Anschein, unangenehm oder gar gefährlich sein zu können.

An manchen Stellen im Lande hat man das Gefühl, dass Turbo-Kapitalismus auf Spät-Feudalismus trifft. Küstenstädte wie Saranda oder Durres wirken mit all ihren Bausünden nicht anders als ähnliche Städte am ganzen Mittelmeer, hier ist die Idee eines sanften Tourismus längst unterm Beton begraben. Auch die massiven Eingriffe ausländischer Investoren im Land (China, Türkei), die nicht nur Staudämme, Eisenbahnen und anderes bauen, sondern auch noch das Geld gleich mitbringen, lassen viele Fragezeichen entstehen. Gerade im Tourismus, der eine wichtige Einnahmequelle des Landes ist, wird die Frage sein, was in den nächsten 10 Jahren passiert. Die Infrastruktur des Landes verbessert sich zusehends und so werden die Verlockungen des Massentourismus sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Was bleibt noch in Erinnerung? Ein – auf Grund der Geschichte – ziemlich entspannter Umgang mit Religionen, die offensichtlich in bester Nachbarschaft und ohne größere Konflikte nebeneinander bestehen. Und ein ebenso – zumindest soweit wir es erlebt haben – entspannter Umgang mit der „Unterschiedlichkeit“. Zum Einen scheint es den Einheimischen recht egal zu sein, ob der Mercedes, der irgendwann in den 80ern in Deutschland gebaut wurde, 150.000 oder 850.000  km auf dem Buckel hat – Hauptsache, er fährt! Und zum Anderen – ob einer Grieche ist und in Albanien lebt und 20 Jahre in Italien gearbeitet hat, ob er mit Verwandten griechisch spricht, mit Gästen deutsch und im Ort eben albanisch – alles nicht soo wichtig, und vor allem auch gar kein Thema!

Wir werden, um auf das Thema „Tourist“ zurück zu kommen als selbige zurückkommen. Und zwar schon nach einem Jahr. Albanien wird auch dann wieder ein ideales Reiseziel für uns sein, weil es auf recht wenig Raum so vielfältig ist, und weil es ein Land zum Sich-Wohlfühlen ist.

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Zum Balaton und zum Schloss Esterházy und dann nach Hause

10.05.2018 – 760 km – Fahrtag

Von Berane in Montenegro starten wir in Richtung Westen und fahren durch die Berge nach Rozaje und weiter zur Grenze nach Serbien. Durch Novi Pazar geht es weiter zur Autobahn Richtung Belgrad. Die Landstraßentour bis zur Autobahn zieht sich, obwohl sie durch interessante Landschaft und teilweise über Pässe bis zu 1.300 m Höhe führt. Die Straßen sind dabei zu einem Drittel schlecht, zu zwei Dritteln recht gut befahrbar.

Bei Belgrad staut sich der Verkehr ein wenig auf der unvollständig fertigen Ringautobahn um die Stadt. Danach geht es zügig weiter zur Grenze und zur Wiedereinreise in die EU. Hier brauchen wir ungefähr eine Stunde … Die Ausreise aus Serbien geht recht fix, aber auf ungarischer Seite wird halt „gründlich“ kontrolliert. Zuerst schauen die Grenzer ins Auto und in den Kofferraum, danach die Zöllner noch einmal. Wir werden gefragt, wo wir waren, und auf die Antwort: „Mazedonien, Serbien, Montengro, Albanien“ folgt ein freundlich-bestimmtes „bitte nach rechts rausfahren“.  Die Kontrolle ist gründlich, zumindest in den drei der vier Außenfächern, die kontrolliert werden. Nach dem Blick ins Bad und in die sieben Hängeschränke hat der junge Mann dann doch genug gesehen… (hier wird nicht der Inhalt des Autos kontrolliert, hier wird eher getestet, ob man nervös ist oder wird ;-)). Egal, wir dürfen wieder in die EU und rollen noch bis Lajosmize zum Stellplatz auf dem Reitercamp. Heute ist im Gegensatz zur Anreise geöffnet, zwei Mobile sind auch schon da außer uns, nur kein Personal, bei dem wir Einchecken könnten ….

Am Morgen ist immer noch niemand da, so checken wir halt auch nicht aus und starten in den letzten Urlaubstag zwischen zwei Fahrtagen.

11.05.2018 – 230 km

Nachdem wir vor einigen Jahren auf dem Rückweg aus Rumänien Budapest besuchten ist diesmal der Balaton „dran“. Es geht über den Autobahnring von Budapest auf die M7 zum Balaton. Wir haben uns für das Nordufer entschieden und gondeln in aller Ruhe durch Balatonkenese, Balatonalmadi und Balatonfüred auf die Halbinsel Thinay. In Révfülöp landen wir dann auf dem großen „Balatontourist Napfény Kemping„. Ein ziemlich großer Platz, kinderfreundlich, aber auch hundefreundlich und mit 6.000 Forint (knapp 20 Euro, 2 Personen, 70-80 qm „Parzelle“, Hund, Strom, V+E) nicht übermäßig teuer. Später im Jahr, wenn sich hier noch mehr Familien tummeln, wäre der Platz sicher nichts für uns, so aber für einen „Badetag“ am Plattensee genau richtig. Die gesamten Sanitäreinrichtungen und das ganze Rundherum sind super in Ordnung! Wir freuen uns natürlich insbesondere über solche Kleinigkeiten wir „Hundeparkplätze“ am Sanitär (schließlich darf da kein Vierbeiner rein) oder über drei separate „Hundeduschen“ (das ist KEIN Witz) für unterschiedlich große Hunde.

Balatontourist Napfény Kemping
https://www.balatontourist.hu/de/campingplatze-unterkufte-am-balaton/napfeny
46°49’45.2″N 17°38’24.1″E

12.05.2018 – 727 km – Fahrtag

Wir fahren weiter am Nordufer des Balaton entlang, sehen die ganzen kalten Vulkankegel, viel Weinanbau und verlassen hinterm Badacsony den See. Generell (meine letzter Besuch hier war Mitte der 80er Jahre) hat sich die Region den ihr eigenen Charme erhalten. Natürlich gibt es punktuell Tourismus, natürlich gibt es die eine oder andere Bausünde in Form eines 7-stöckigen Hotels. Aber viele Orte wirken noch immer ruhig, wenn nicht gar verschlafen. Die Tatsache, dass der See rundherum fast komplett verschilfft ist und es nur wenige Stellen gibt (zumindest am Nordufer), an denen man direkt ans Wasser kommt, haben zum Glück nicht zum ganz schlimmen Massentourismus geführt (wie es an der Südseite aussieht weiß ich nicht).

In Szigliget und später in Sümeg fahren wir an Burgen vorbei, es geht Richtung Norden nach Fertöd. Hier steht das Schloss Esterházy. Der Parkplatz ist kostenpflichtig, aber Googe-Maps hatte einen weiteren einige Meter weiter verzeichnet. Den gibt es auch, neu gebaut, fix und fertig, groß … aber nicht in Betrieb. Offensichtlich seit Jahren, der Kiesplatz ist bereits gut grün zugewachsen… Wir fahren zurück in den Ort, dort hatten wir ausreichend Plätze auch in Wono-Größe gesehen und parken dort – sogar im Schatten. Das Schloss selber ist für Menschen mit Hund tabu (und für Hund im Womo ist es zu warm), also schauen wir es eben von außen an und drehen eine Runde durch den Schlosspark. Bilder gibt es hier im Wiki-Artikel.

Der „Plan“ war eigentlich, noch auf einen Stellplatz in Österreich zu fahren und dann am Sonntag nach Hause. Da es aber „nur“ noch knapp 500 km dorthin sind und es erst 14 Uhr ist beschließen wir, gleich durchzustarten. Gegen 22 Uhr sind wir, nach wieder einmal genau 28 Tagen und 5.295 km dann zu Hause.

 

 

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Shkodra und Abschied aus Albanien

07.05.2018 – 22 km
08.05.2018 – 0 km
09.05.2018 – 146 km

Am Montagmorgen parken wir sozusagen nur um, vom Camping Legendja südlich von Shkodra zum Lake Shokdra Ressort, 12 km nördlich der Stadt. Angeblich einer der 10 besten Campingplätze Europas (!) können wir das direkt bestätigen: Service, Restaurant, Stellplätze, Sanitäranlagen – alles wirklich allerbestens! Selbst der Sonnenuntergang am Abend vom Restaurant aus gesehen ist so super wie beschrieben und auf zahlreichen Bildern zu sehen! (Nein, wir haben ihn nicht zum 1.536.427sten Male auch noch geknipst…).

Lake Shokdra Ressort
https://www.lakeshkodraresort.com/
42°08’20.7″N 19°28’05.3″E

Wir essen mehrfach sehr gut im Restaurant und bleiben einen weiteren Tag, um uns so ganz langsam von Albanien zu verabschieden. Am Mittwoch ist es dann soweit. Doch zunächst fahren wir trotz ungünstiger Wetterprognose in Richtung Vermosh-Tal. Die Reise geht zunächst nach Norden bis zum Grenzübergang Hani I Hotit. Dieser Teil der Strecke ist flach am See entlang auf breiter Straße. Danach ist die Strecke bis zum Ort Vermosh durchgehend asphaltiert, meist sogar sehr gut ausgebaut, natürlich wieder an manchen Stellen schmal – aber auch hier minimales Verkehrsaufkommen, so dass das gar kein Problem darstellt.

180°-Panorama – Berge, Wolken und ein Womo

Wieder reisen wir durch eine faszinierende Berglandschaft, bis auf knapp über 1.300 m Höhe, mal in Serpentinen bergauf, mal bergab. Die Strecke ist relativ neu, so gibt es einige Hinweisschilder für uns Touris, sogar zwei Aussichtsplattformen wurden an den Abhang in relativ schwindelerregender Höhe gebaut. Leider fahren wir teilweise im Regen oder auch in den Wolken. Wir überlegen, noch einen Tag zu bleiben, fahren dann aber auf Grund des Wetters doch weiter in Richtung Montenegro. Bevor wir die Grenze erreichen biegen wir aber noch links nach Vermosh ab und fahren einmal bis ans Ende des Ortes. Ein unglaublich schönes, ruhiges Tal, das geradezu zum Wandern einlädt und im nächsten Jahr bestimmt für ein paar Tage auf der Route liegen wird.

Vom sog. „Ortszentrum“ Vermoshs geht es 8 km in Richtung Montenegro. Bis zum Abzweig nach Shkodra, woher wir kamen, ist alles ganz gut. Danach hat sich Albanien offensichtlich vorgenommen, uns gebührend zu verabschieden: Zunächst mit zwei Holzbrücken, die jetzt nicht so 1.000 %ig vertrauenserweckend aussahen. Dann kommt der letzte Kilometer Straße, hier ist de facto das Ende der Welt, denn mehr als eine Fahrbahnbreite ist einfach schon zugewachsen. Aber nach dem letzten Kilometer Straße ist eben die Grenze noch nicht erreicht, es folgt noch ein Kilometer – ich würde es Feldweg in recht schlechtem Zustand nennen .. ;-). Macht nix, die letzten 10 m bis zum Schlagbaum sind dann wieder geteert. Der Grenzbeamte hat hier scheinbar nicht sooooo viel zu tun, das Schlafsofa im Dienstzimmer sieht recht frisch benutzt aus ^^, ich darf zum Schalter kommen und unsere Daten aus dem Reisepass werden fein säuberlich von Hand (!) in eine entsprechende Kladde eingetragen. 10 Minuten später rollen wir zum montenegrinischen Posten. Ob hier die Kontrolle per PC passiert oder auch wieder Daten abgeschrieben werden sehen wir nicht, ein mürrischer Blick hinten ins Womo und wir dürfen einreisen. Auf die Frage nach den Papieren für den Hund reichte ein „ja, haben wir“ – vorzeigen war nicht nötig.

Der Heimwegplan heißt, soweit wie möglich in Richtung serbische Grenze fahren und dann am nächsten Tag wieder direkt bis Ungarn durchzufahren. Deshalb landen wir auf dem Autocamp Viaggo in Berane (MNE), zahlen 15 Euro (der Preis wurde gerade erfunden, wir sind offensichtlich die ersten, auf jeden Fall aber die einzigen Gäste am Womoplatz) und verbringen den Rest des Tages hier.

Autocamp Viaggio in Berane
http://www.viaggio-camping.me/
42°49’38.4″N 19°51’23.5″E

Bevor es nach der Rückkehr sicher noch ein Fazit zum Land Albanien aus unserer Sicht geben wird hier noch zwei Zwischenbemerkungen:
Raki, oder richtig Rakija, ist in Albanien nicht mit Anissamen versetzt, und es ist auch kein Grappa. Es gibt hier das industriell hergestellte „Zeug“, das kratzt im Hals wie ein schlechter Grappa oder ein übler Wodka und ist de facto nicht trinkbar. Und dann gibt es den Raki, den wohl fast jeder albanische Mann zu Hause herstellt. Uns hat Denis vom Camping in Himare erklärt, was den Unterschied zum Grappa ausmacht: Raki wird aus Trester gebrannt, soweit adäquat zum Grappa, aber nicht unter Zusatz von Wasser, sondern unter Zusatz von dem Wein, der aus dem Trester gemacht worden ist. Und bei Denis haben wir auch den besten seiner Art getrunken – selbstverständlich selber gemacht!

Mercedes – ist in Deutschland eine Automarke. In Albanien neben Rasenmähern mit Pritsche und Minibussen das am meisten gefahrene Auto. Es gibt Unmengen alter Modelle (manchmal sieht man ihnen ihre deutsche Taxivergangenheit noch an der Farbe an), mittelalte und auch ganz neue bis hin zu wuchtigen SUV. Offensichtlich ist zum Einen die Wertschätzung für deutsche Fabrikate sehr hoch, zum Anderen haben auch etliche Modelle aus den 70er oder 80er Jahren bis heute durchgehalten und fahren nach wie vor. So sahen wir ein Taxi mit weit über 600.000 km auf der Uhr, und auch im Gebirge Fahrzeuge, die die frische Milch an Stellen abholten, wo die meisten Menschen nicht zu Fuß hinkommen würden. Prestige gepaart mit Praxisrelevanz.

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Aus den Alpen nach Shkoder

Das Wetter im Valbonatal am Morgen stimmt mit der Vorhersage überein

05.05.2018

Die Wettervorhersage für die albanischen Alpen meint es nicht gut mit uns, Regen und Gewitter und somit kein Wanderwetter. Also ändern wir unsere Pläne … Wir werden das Gebirge erst mal verlassen und uns wohl auch die Fahrt über den Komani-See sparen. Die Entscheidung zu letzterem fällt zwar schwer, folgt aber nur einer anderen: Wir haben schon jetzt entschieden, dass wir im nächsten Jahr wieder im Frühjahr zurückkommen werden. Dann planen wir sowohl Gebirge als auch den Komani flexibler, so dass wir beides bei schönem Wetter machen können.

Die Staumauer von hinten (links die Serpentinen ging es hoch)

Zurück bis Bajram Curri und dann in Richtung Fierza haben wir dann doch fast schönes Wetter und können diverse Ausblicke genießen. In Fierza ist eine der Anlegestellen der hier verkehrenden Fähren, wir fahren kurz hin und sehen auch gerade ein Schiff anlegen. Danach schrauben wir uns sozusagen neben der gewaltigen Staumauer den Berg hinauf und haben fantastische Blicke auf die Berge sowie der hier angestaute Fluss (der Drin). Es folgen 60 km anspruchsvolle Strecke, Kurve reiht sich an Kurve, Ausblick an Ausblick. Allerdings nimmt das Wetter nun den vorhergesagten Verlauf, es wird dunkler, es regnet und auf halber Strecke bei Dardhe erleben wir ein Unwetter mit Hagelkörnern bis zu 2 cm Größe. Auch hier im sog. „Vorland“ der Alpen reihen sich außer den Kurven auch wieder die genialen Ausblicke in die Landschaft aneinander.

Der gestaute Drin bei besserem und „nicht ganz so gutem“ Wetter:

Abhänge von einigen hunderten Metern gibt es oft ohne jegliche Leitplanke oder ähnliches direkt an der Straße

Wir erreichen irgendwann die SH5 (von Kukes nach Shkoder) und hier geht es weiter bergauf, bergab, rechts gekurvt, links…. Das Schöne an den heutigen Kilometern ist, dass die Straßen relativ gut sind (mit den üblichen Ausnahmen), und vor allem, dass sehr wenig Verkehr ist. Somit kann man auch einmal mitten auf der Piste stehen bleiben, oder eben mit 20 kmh dahinzockeln. (Der SH5 merkt man allerdings an, dass sie nur noch eine Art „Nebenstrecke“ ist und viel Verkehr nun wohl über die Autobahn geht. Der Erhaltungszustand scheint hier rapide abzunehmen.)

Nach 154 km ist Schluss, wir finden neben der Straße einen guten Stellplatz (eben, Rasen, Schotter). Hier werden wir über Nacht bleiben. Am Abend zieht dann ein weiteres Gewitter mit Regenfront über uns hinweg, diesmal zum Glück ohne Hagel.

Auch hier wieder erleben wir freundliche Menschen: man hält an und fragt, ob wir „problem“ haben, man winkt oder hupt zumindest, wenn man uns außerhalb des Womos sieht. Die Nacht ist total ruhig, und am Morgen können wir sogar noch ein paar schöne Bilder vom Stellplatz machen.

Stellplatz zwischen Puke und Vau I Dejes (in dieser Richtung links der Straße):

41°59’27.7″N 19°44’39.1″E

Liegt direkt an der SH5, ist aber abends und nachts völlig ruhig.

 

Panorama von unserem Stellplatz aus

06.05.2018

Wohnmobil, Stellplatz, Landschaft

31 km sind es bis zum Camping „Legendja“ in Shkoder, diese sind schnell abgespult. Wir laufen direkt nach der Ankunft in die Stadt, vom Platz bis ins direkte Zentrum sind es allerdings 3,1 km direkt an der Straße entlang. Wir haben gut „gezielt“, jedes Jahr am 06. Mai findet ein „Fest der Lieder und Blumen“ statt, und somit ist die Stadt recht voll. Das und die nun wieder einsetzende Wärme (wir sind wieder im Flachland, nahe der Küste) lassen uns nach relativ kurzer Zeit den Rückweg antreten. Den Rest des Tages verbringen wir im Schatten der Markise vom Wohnmobil 😉.

Die Parruce Moschee in Shkoder zwischen modernen Wohnblocks

Camping Legjenda, pro Person 6 Euro, pro Womo 3 Euro, Strom 2,50 Euro, der Hund kostet nix, macht 17,50 Euro / Nacht, die wir ausnahmsweise mal wieder auch in Euro bezahlen.
https://www.campinglegjenda.com/
42°02’39.2″N 19°29’22.4″E

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